Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1196594
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Bildhauer. 
Die 
vorher, vollendet sein musste. Diese fällt aber in die 89ste Olympiade oder 
Wenig später; und es erscheint daher die Vermuthung; Welcker's sehr wahr- 
"248 scheinlich, dass das Beispiel des eben vollendeten Parthenon auch anderwärts 
Nachahmung gefunden habe, wie in Olympia, wohin Phidias mit seinen Schü- 
lern selbst ging, so auch in Delphi. 
Ueber die Darstellungen selbst hat WVelcker (a. a. O.) ausführlich ge- 
handelt. Doch ist er nicht im Stande gewesen, über die Vertheilung der Gom- 
positionen mit Sicherheit mehr festzustellen, als dass Apollo, Artemis, Leto nebst 
den Musen den vorderen Giebel einnahmen, während der Untergang des Helios 
nebst Dionysos und den Thyiaden der Rückseite zuzutheilen sind. Ich be- 
merke, dass auch hier der Gegensatz einer ruhigeren und einer bewegteren 
Darstellung sich wiederfindet. In dem Chor des Euripides endlich hat Welcker 
noch den Inhalt von fünf Metopenbildern angegeben gefunden, welche wir wohl 
ebenfalls als Werke der genannten Künstler betrachten dürfen. Es sind: He- 
rakles, welcher mit der Harpe die lernäische Schlange tödtet, wobei Iolaos mit 
einer Fackel ihm Beistand leistet; Bellerophon, die Chimaera bezwingend; Pallas, 
das Gorgoneion gegen Enkelados schwingend; Zeus, den Mimas niederschmetternd; 
 Dionysos, einen der Erdensöhne mit dem Thyrsos tödtend. Natürlich sind dieses 
nur wenige Bruchstücke einer ganzen Reihe, welche vielleicht den Kampf der 
Götter gegen finstere Erdlnächte und Kämpfe der Heroen zur Befreiung der 
Erde von verderbenbringenden Geschöpfen als Grundthema behandelte. 
Arbeiter am Fries des Erechtheum. 
Die Figuren aus Marmor in hohem Relief, Welche den Fries des Erecl1- 
theum schmückten, waren nach den noch vorhandenen Spuren und Besten ein- 
zeln auf die Fläche desselben aufgesetzt. Die Composition des Ganzen musste 
natürlich von einem einzigen Künstler entworfen sein. Dass dagegen bei der 
Ausführung verschiedene Hände thätig waren, lehren die bedeutenden Frag- 
mente der Baurechnung; welche nach und nach in der neueren Zeit entdeckt 
und am vollständigsten von Stephani 1) publicirt worden sind. In derselben ist 
unter andern auch der Lohn verzeichnet, welcher den Arbeitern für einzelne 
Theile des Frieses ausgezahlt wurde. Ob dieselben freilich Wirkliche Künstler 
oder nur geübte Marniorarlaeiter waren, vermögen Wir nicht zu bestimmen. Be- 
kannte Namen finden wir unter ihnen nicht, wenn wir nicht einen Phyromachos 
249 für identisch mit dem Pyromachos bei Plinius halten wollen, von welchem ein 
Bild des Alkibiades auf einem Viergespann angeführt wird: denn ein Praxias 
kann nicht der bekannte Athener sein, welcher vor Vollendung der Tempel- 
giebel in Delphi starb, da der erhaltene Theil der Baurechnung sich auf das 
zweite Jahr der 93sten Olympiade zu beziehen scheint. Wir theilen aus ihr 
natürlich nur die Stücke mit, welche sich auf die Bildwerke des Frieses be- 
ziehen, und tibergehen Alles, was die Arbeit an den einzelnen Theilen der Archi- 
tektur betrifft. Die Hauptstelle findet sich zu Anfang des zweiten grösseren 
Stückes bei Stephani, über welches auch Bergk?) gehandelt hat: 
1) in den 
987 flgdd. 
Ann. 
delF 
Inst. 
1843 
286- 
327. 
der 
Zeitschr. 
Altn 
184-5
        

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