Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1196381
Die 
griechische 
Kunst 
ihrer 
höc] 
geistigen 
lstexl 
Entwickelung. 
153 
keit des Bildhauers zu deuten. Der Gegenstand passt indessen besser für ein 
Gemälde, als für eine Statue; und dazu kommt, dass Polyklet hier Thasier 
genannt wird, wodurch wir berechtigt werden, den Namen des Polyg-not an 
Seine Stelle zu setzen. Nach Beseitigung dieser Angaben wird endlich die An- 
nahme gestattet sein, dass auch in einem Gedichte des Gregor von Nazianz 
(in Tolii ltin. ltal. p. 66) der Name des Polyklet nur aus Versehen zwischen 
Ualern angeführt wird.  
 Vielfältige Zeugnisse des Alterthums kommen uns zu Hülfe, um ein klares 
Bild von dem Verdienste des Künstlers zu entwerfen. Freilich fühlen wir auch 
hier die Lückenhaftigkeit, mit der die Nachrichten der Alten auf uns gekommen 
sind. So, um bei der Technik lzu beginnen, sagt uns Plinius 1), dass Polyklet 
des delischen Erzes sich bediente, während llIyron dem aeginetischen Erze den 
Vorzug gab. Aber schon bei Myron haben wir bemerken müssen, dass uns 
diese Nachricht von keinem Nutzen ist, weil wir die Unterschiede beider Erz- 
mischungen nicht kennen.  Mehr lernen wir durch die Nachricht des Plinius 
über die Toreutik des Polyklet, namentlich da sie mit einer andern über das 
Verdienst des Phidias in diesem Kunstzweige im engsten Zusammenhange steht. 
Denn wie dieser die Kunst der Toreutik zuerst offenbar gemacht und gezeigt 218 
habe, was sie leisten solle (primus artem toreuticen aperuisse atque demon- 
strasse merito iudicatur: 34,  so habe Polyklet diese Wissenschaft zur Voll- 
kommenheit erhoben und die Toreutik so durchgebildet, wie Phidias begründet 
(hic consumrnasse hanc scientiam iudicatur et toreuticen sic erudisse ut Phi- 
dias aperuisse:  56) 9) Hier handelt es sich also um eine regelmässige Ent- 
wickelung unter wenigstens äusserlich sehr verwandten Umständen. Wir wissen, 
dass Polyklet, wie Phidias, sich mit der speciell sogenannten Toreutik, der Cisel- 
lirung edler Metalle für Werke kleinen Umfanges abgab. Mochten auch Arbeiten 
dieser Art von Beiden mehr als eine Unterhaltung, als eine Erholung betrachtet 
werden, so dienten sie doch zugleich als Vorübung für die Durchführung des 
Einzelnen an den umfangreicheren Bronzewerken. Denn zu der letzten Voll- 
endung nach dem Gusse genügte nicht mehr die künstlerische Genialität, son- 
dern war eine Menge von Fertigkeiten und Handgriffen erforderlich, wie sie 
nur durch lange Erfahrungen gesammelt werden können. Gerade daraus er- 
klärt sich, wie hier dem Polyklet auch nach den Leistungen eines Phidias noch 
ein Fortschritt möglich war. Ganz dasselbe scheint von der Kunst der Arbeit 
in Gold und Elfenbein zu gelten, die freilich nicht mit der Toreutik zu ver- 
wechseln ist, aber doch in vielen Einzelnheiten ihr verwandt war. Auch in ihr 
werden von Strabo 3) die Werke des Polyklet in Rücksicht auf räxvr], künst- 
lerische Ausführung, über die des Phidias gesetzt, wobei freilich nicht sicher 
zu entscheiden ist, ob das Lob ihrer grösseren Schönheit auf die blosse Technik, 
oder allgemeiner auch auf vollendetere formelle Durchbildung zu beziehen ist. 
Was nun diesen formellen Theil der Kunstübung betrifft, so weit er auf 
der Kenntniss der darzustellenden Gestalt beruht, so haben wir gesehen, dass 
er bei Phidias gänzlich dem poetischen, idealen Schaffen untergeordnet war. 
Anders bei Polyklet. Bei ihm hat die formelle Behandlung der Körper nicht 
Jahn in 
sächs. 
Gesellsch. 
1850, 
129. 
VIII, 
372.
        

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