Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1196373
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Die 
Bildhauer. 
wie bei den vorhergehenden und nachfolgenden Werken, eine laestimmte Hand- 
216 lung näher bezeichnet wird, kann nicht auffallen, da der Kanon wirklich, wenn 
auch im besten Sinne, nur eine Art akademischer Figur gewesen zu sein scheint. 
Doch hiervon weiter unten. Hier sei zunächst nur erwähnt, dass Polyklet die 
Regeln, welche er im Kanon praktisch angewendet, auch theoretisch in einer 
Schrift auseinandergesetzt hatte. Daraus erklärt sich vielleicht, dass Tzetzes 
(Chil. VIII, 191) den Polyklet auch zum Maler machen will, indem er durch 
ein Misverständniss ygdqietv, schreiben, mit Ljmygaqwafv, malen, verwechselte. 
Ferner nennt Plinius (I.  
„destringentem se", einen Athleten, der sich von dem Staube der 
Palaestra reinigt; also einen drmifizoyevog (vgl. Plin. 34, G2): „nudu m talo 
incessentem", was man fälschlich von einem Würfelspieler verstanden hat. 
 Müller dagegen (Hdb.  120, 2) übersetzt richtig talo incessere in das Grie- 
chische zurück mit drronrsgvigatv (vgl. Jacobs zu Philostr. p. 435). Die Figur 
stellte demnach einen Ringer dar, der seine Kunst besonders in der Anwendung 
der Ferse zu zeigen suchte. 
Zwei Knaben, ebenfalls nackt, die mit Würfeln spielten und deshalb 
unter dem Namen Astragalizontes bekannt waren. Sie standen zu Plinius Zeit 
„in atrio imperatoris Titi", und wurden von Manchen für das vollendetste Werk 
des Alterthums gehalten. 
Zwei Kanephoren aus Erz erwähnte Gicero in seinen Reden gegen 
Verres: IV, c. 3, i 5, Dieser hatte sie dem Mamertiner Heius geraubt. Sie 
waren nicht gross, aber von vorzüglicher Schönheit in jungfräulicher Haltung 
und Kleidung und trugen nach athenischem Gebrauche heilige Geräthe mit 
erhobenen Händen auf ihren Häuptern. 
Dass Polyklet auch in der Toreutik ausgezeichnet War, erfahren wir 
durch Plinius (s. unten) und Martial (VIII, 50). Die Anspielungen dagegen bei 
Juvenal (III, 217; VIII, 102) sind nicht nothwendig auf Toreumata im engeren 
Sinne zu beziehen. Noch Weniger ist aber bei Athenaeus (V, p. 206 E) von 
einem Toreuten Polyklet die Rede, der noch dazu 'von dem Argiver unter 
schieden werden müsste, sondern von dem Geschichtsschreiber dieses Namens 
aus Larissa. 
Endlich war Polyklet auch Architekt. Er hatte das Theater und Rund- 
217 gebäude (Odeum) neben dem Tempel des Asklepios zu Epidauros gebaut. Pau- 
sanias äussert sich darüber folgendermassen (II, 27, 5): „Die römischen Theater 
mögen sich vor dem des Polyklet wohl durch den allerwärts angebrachten 
Schmuck, das der Arkader in Megalopolis durch seine Grösse vor ihm aus- 
zeichnen. Welcher Architekt aber wäre im Stande, gegen Polyklet hinsichtlich 
der Harmonie oder der Schönheit in die Schranken zu treten 14'" 
Sämmtlich verdächtig sind die Nachrichten, die von Polyklet als Maler 
reden. Ein Missverständniss des Tzetzes ist bereits erwähnt worden. Ein Epi- 
gramm des Pollianus (Anall. II, p. 4-40, n. 5) legt ihm ein Gemälde der Polyxena 
bei: gerade diesen Gegenstand hatte aber Polygnot behandelt. Ein anderes 
Epigramm des Tullius Geminus (Anall. II, p. 279, n. 3) handelt von einer 
Darstellung des noch in der Unterwelt vom Blitze des Zeus heimgesuchten 
Salmoneus. Hier scheint allerdings der Ausdruck X819 xctizsv auf die Thätig-
        

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