Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194895
Einleitung. 
zu wahrer Vollendung heranreifen, wenn ihr durch die Geschichte der Künstler 
eine solche Grundlage geboten wird, dass darauf die Erforschung der Denk- 
mäler mit dem Bewusstsein voller Sicherheit ihren Bau im Einzelnen auf'- 
zuführen vermag. 
Erst jetzt, nachdem wir unser Ziel bestimmt ins Auge gefasst haben, wird 
sich darüber handeln lassen, bis zu welchem Punkte wir es verfolgen sollen. 
Unsere Aufgabe ist, die Geschichte der Künstler zu schreiben. Aber wer sind 
diese Künstler? Nicht immer verdient jeder, der sich so nennt, diesen Namen 
mit Recht, und umgekehrt kann, namentlich nach dem Sprachgebrauch und 
der Sitte der Alten, mancher die nöthige Tüchtigkeit besessen haben, ohne den 
Namen in Anspruch zu nehmen. Soll hier nichtldie Untersuchung mit nutz- 
losem Ballast beladen werden, so ist eine scharfe Grenzlinie zwischen Künstler 
und Handwerker zu ziehen. Was daher von der Kunst oder einer der allgemein 
angenommenen Hauptzweige derselben, der Bildhauerei, Malerei, Architektur, 
nicht einmal den Namen führt, ist von vorn herein auszuschliessen, es sei denn, 
dass die Urheberschaft eines Kunstwerkes den Urheber trotz des geringern 
Standes zum Künstler macht. Es kann aber ferner auch der Name für sich 
allein noch keine Anwartschaft der Aufnahme gewähren. XVährend in den Zeiten 
aufstrebender Entwickelung der Handwerker sich zum Künstler erhebt, aber 
mit einem gewissen Stolze den Namen eines Handwerkers beibehält, finden wir 
das Umgekehrte in den Zeiten des Verfalls: der Handwerker strebt nach dem 
Namen des Künstlers und masst sich denselben in unverdienter Weise an. In 
der Literatur finden wir von solchen Afterkünstlern natürlich höchst wenige, 
und diese nur beiläufig, ohne Rücksicht auf künstlerisches Wirken, erwähnt. 
Dagegen liefern die Inschriften, namentlich die lateinischen, ganze Reihen da- 
von. Wollten wir aber auch dieselben nach den verschiedenen artes und 
opiticia zusammen stellen, so würden wir auch so nicht einmal angeben können, 
wo die Kunst aufhört, das Handwerk beginnt. Dass auf den Entwickelungs- 
gang der Kunst kaum einer einen persönlichen Einfluss ausgeübt hat, dürfen 
wir mit Sicherheit annehmen. Um also allen Schwankungen zu entgehen, ist 
es das Gerathenste, diese ganze Masse auszuscheiden, unter dem Vorbehalt, 
eine Ausnahme zu machen, wo die inschriftliche Erwähnung zur Ergänzung 
anderweitiger Nachrichten dient oder uns direct auf wirkliche Kunstübung; hin- 
weist. Die vollstäindige Sammlung dieser artes und opificia, die noch dazu nur 
einem Epigraphiker von Fach möglich ist, gehört in ein corpus inscriptionum 
und ist zunächst für eine Geschichte des Handwerkes zu benutzen. Diese 
mag schliesslich auch für die Geschichte der Kunst ihre Bedeutung haben, 
aber sicherlich nicht in ihren ganzen Massen, sondern in ihren gesicherten Re- 
sultaten. 
Die Scheidelinie, die wir zwischen dem Künstler und Handwerker ge- 
zogen haben, wird sonach hinlänglich gerechtfertigt erscheinen. Aber auch 
dadurch hat der uns vorliegende Stoff noch keine solche Abrundung erhalten, 
dass er einer gleichmüssigeii Verarbeitung für die Geschichte der Künstler fähig 
wäre. Um kurz zu sein: neben den eigentlichen Bildhauern und Malern finden 
wir als Künstlerklassen untergeordneten Ranges die Münzstempelschneider, 
Gemmenschneider und die Vasenmaler. Wir müssen die Werke, welche sie
        

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