Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1196277
Die Bildhauer. 
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pövov vsüaarrog, avnnaßoüavyg 6:] n xai rrig xdgnyg 1). Den Augenbraunen und 
dem Haar musste also die Kraft inne Wohnen, eine solche Wirkung zu erzeugen. 
In diesen Theilen gewann die ldee des Zeus bei Phidias zuerst Körper. Dass 
dies in der That, und wie es geschehen, kann uns auch eine Copie, wie der 
Zeus von Otricoli, anschaulich machen. Es genügt ein Blick auf die Theile, 
Welche das Auge beschatten, auf das Haar, wie es auf der Stirn emporsteigt 
und dann herabwallt, man möchte sagen, nicht ovgmaäoüoqg, sondern ovvsveo- 
yoiimyg ör] n njg xönqg, um zu fühlen, wie gerade in diesen Theilen sich die 
Gewalt des Zeus vorzugsweise ausspricht. Mit diesen Grundformen aber waren 
nun alle übrigen Theile in Harmonie zu setzen; der Künstler bildete sie so, 
wie sie nach den anatomisch-physiologischen Gesetzen des menschlichen Orga- 
nismus sich in ihrem Verhältniss zu den gegebenen Formen gestalten mussten. 
Das ist es, was Macrobius 2) andeuten will, wenn er sagt: nam de superciliis 
et crinibus totum se Iovis vulturn collegisse. Die Nachweisung zu geben, dass 
dies wirklich der Fall ist, würde hier zu weit führen. Um jedoch die Möglich- 
keit einer solchen Beweisführung darzuthun, mag es mir gestattet sein, auf 
202 einen Aufsatz 3) über einen Herakopf des Museums zu Neapel zu verweisen, 
dessen Formen ich als aus der homerischen Bezeichnung {iocöittg nörvra 'H91; 
abgeleitet nachzuweisen versucht habe.  Nur auf diese Weise erklärt es sich, 
wie die Ideale eines Phidias und verwandter Geister bei den Griechen allge- 
meine Geltung erlangen konnten. Sie waren nicht Bildungen einer subjectiven 
Phantasie, denen, wenn sie auch von noch so hoher Vortrefflichkeit gewesen 
wären, doch andere eben so berechtigte Phantasien entgegengestellt werden 
könnten, wie, um ein hervorragendes Beispiel anzuführen, noch neben dem 
Moses eines Michelangelo auch andere Bilder des jüdischen Gesetzgebers recht 
wohl denkbar wären. Die griechischen Ideale waren objective Bilder, welche 
die Berechtigung, die Gewähr ihres Daseins in sich selbst trugen, weil sie streng 
den Gesetzen desselben entsprachen. Deshalb konnte und durfte an ihnen nichts 
Wesentliches verändert werden, weil mit dem Theile auch das Ganze in Frage ge- 
stellt worden wäre. Und darin liegt der Grund, dass auch wir noch das Bild eines 
Zeus, einer Athene selbst ohne äussere Abzeichen erkennen; denn überall sind die 
Grundformen, auf denen das innere geistige Wiesen beruht, unverändert geblieben. 
XVoHen wir jedoch die ganze Grösse der Verdienste des Phidias ermessen, 
so dürfen wir schliesslich seine historische Stellung nicht ausser Augen lassen. 
Es ist nicht meine Absicht, zu behaupten, dass Phidias allein und einzig durch 
die Kraft seines Genius die Kunst mit einem Male, wie mit einem gewaltigen 
Sprünge, zum Gipfel der Vollkommenheit emporgeführt habe. Auch er hatte 
seine Vorarbeiter. Wir haben oben die Verdienste eines Kalamis, Pythagoras, 
Myron im Einzelnen erörtert, und an ihnen gesehen, wie auf dem gesammten 
Gebiete der Kunst sich ein Streben nach freierer Entwicklung zeigt. Doch 
Strab 
del1' 
1846, 
122. 
128.
        

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