Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1196180
Die 
griechische 
Kunst in 
ihrer 
lsten 
geistigen 
Entwickelung. 
133 
er eines der Werke des Phidias berührt: er habe clypeum oder Olympium 
Athenis gemalt. Die erste Lesart hat die Auctorität der besten Handschrift für 
sich; und einen guten Sinn giebt auch sie; denn wenige Zeilen weiter lesen 
wir von Panaenos: clypeum intus pinxit Elide Minervae. Nur vermisst man 
freilich ungern den Namen dessen, welcher den Schild trug". Wenn ich früherl) 
an die Promachos gedacht habe, so nehme ich diese Deutung auf die Mahnung 
Prellefs?) jetzt zurück, da allerdings Malereien an dem Schilde einer Statue 
aus Erz schwer denkbar sind. Aber auch die andere Lesart Olympium, welche 
lnan auf Malereien am Tempel des olympischen Zeus zu Athen bezogen hats), 
bietet der Erklärung Schwierigkeiten. Dieser Tempel war zu Phidias Zeit nur 
halb vollendet, und bewundert ward an ihm vorzugsweise die Grossartigkeit der 
Anlage. Nun hätte freilich ein Theil, die Celle, Welche Raum für Gemälde dar- 
bot, vollendet sein können. Allein darüber fehlen ausdrückliche Zeugnisse; 
Wenigstens aber müsste nachgewiesen werden, dass in ihm vor der späteren 
Fortsetzung des Baues Wirklich Handlungen des Cultus vorgenommen wurden. 
Dazu kommt nun noch die bestimmte Ueberlieferung, dass der Bau aus Hass 
gegen die Pisistratiden, welche ihn begonnen, liegen geblieben sei. Um dieser 
Schwierigkeit zu begegnen, hat man zu einer weiteren Hypothese greifen müssen, 
nenilich: nicht Hass gegen die Pisistratiden sei der Grund der Unterbrechung 
gewesen, sondern die Besorgniss des Perikles, durch Förderung dieses Baues 
ähnlicher politischer Bestrebungen verdächtig zu werden, wie die Waren, welche 
Pisistratos verhasst gemacht hatten; Kimon dagegen habe noch ohne Hehl an 
dem Baue fortarbeiten lassen. Wie dem auch sei, so viel ist klar, dass wir 
nicht über Vermuthungen hinauskommen, und da für die Zwecke unserer Unter- 
suchungen wenig darauf ankommt, so mag auch die Frage für jetzt unent- 
schieden bleiben. 
Nachdem wir die Werke des Phidias, soweit sie uns durch die Nachrichten 
der Schriftsteller bekannt geworden sind, aufgezählt haben, wird man vielleicht 
erwarten, dass wir zu einer Beschreibung der noch erhaltenen Werke übergehen, 
Welche wir als seinem Geiste entsprungen, wenn auch nicht von seiner Hand 
ausgeführt betrachten dürfen; wir meinen hauptsächlich die Sculpturerl des Par- 
thenon, bei dessen Bau ja die Oberleitung von Perikles in die Hände des Phi- 
dias gelegt war. Das Feld, welches sich hier der Forschung bietet, ist sehr 
lockend, und eine gründliche Erörterung würde nicht abzuweisen sein, wenn es 
sich hier darum handelte, eine Kunstgeschichte zu schreiben. Für eine Künstler- 
geschichte nach den einmal festgesetzten Gränzen dagegen müssen wir die 
Kenntniss dieser Werke im Allgemeinen voraussetzen, und können uns nur zu- 
Weilen zur Bekräftigung dessen, was wir aus anderen Quellen ableiten, auf sie 
berufen. 
Wir versuchen jetzt die Verdienste des Phidias um die Entwickelung der 
griechischen Kunst im Einzelnen nachzuweisen. Diese Aufgabe ist gewiss, wie 
eine der lohnendsten, so auch der schwierigsten in der ganzen Künstlergeschichte. 
Ueber die meisten der bedeutenden Künstler sind unsere Nachrichten weit spär- 
Iicher, als über Phidias. Aber indem ihre Vorzüge mehr in bestimmten einzelnen 
tcnlp 
Amalthea 
Hgd.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.