Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1196113
Bildh auel". 
Athenebilder. 
Die zahlreichen Bilder dieser Göttin ordnen sich am besten nach den 
Stoffen, und wir stellen demnach die kostbarsten aus Gold und Elfenbein voran. 
Unter ihnen und überhaupt unter den Werken des Phidias nächst dem Zeus 
ist das berühmteste: 
Das Bild der Athene Parthenosl) auf der Akropolis zu Athen. Die 
Hauptstellen über dasselbe finden sich bei Pausanias2), Plinius 3) und Maximus 
Tyrius 4). Nach diesen hatte es eine Höhe von 26 Ellen. Die Göttin War stehend 
gebildet, mit dem Chiton angethan, Welcher bis auf die Füsse herabfiel. Sie 
trug auf der Brust die Aegis, welche in der Mitte mit dem Medusenhaupte ge- 
schmückt war. Auf dem Helme, der das Haupt bedeckte, lagerte eine Sphinx; 
auf den Seiten des Helmes Greife. In der einen Hand trug die Göttin eine 
Nike von vier Ellen Höhe, in der anderen den Speer. Unten an demselben und 
zu den Füssen der Göttin Wand sich die athenische Burgschlange, nach Pau- 
sanias das Bild des Erichthonios. Auf dem Boden neben der Göttin stand der 
Schild, auf dessen äusserer Seite eine Amazonenschlacht, auf der inneren der 
Kampf der Götter und Giganten in cisellirter Arbeit dargestellt war. In dieser 
Amazonenschlacht War es, wo Phidias sein eigenes Bild und das des Perikles 
in so kunstreicher Weise angebracht hatte, dass sie nicht abgenommen werden 
konnten, ohne das die Verbindung der übrigen Theile sich löste 5). Sich selbst 
hatte Phidias als kahlköpiigen Alten dargestellt, der mit beiden Händen ein 
Felsstück erhebt; Perikles schwang in der Hand den Speer und bedeckte da- 
durch sein Gesicht in der Mitte, aber so, dass die Aehnlichkeit auf beiden Seiten 
des Armes zum Vorschein kam. Selbst die tyrrhenischen G) Sohlen der Göttin 
Waren mit einem Relief, dem Kampfe der Lapithen und Kentauren, verziert. 
Auf der Basis endlich sah man die Geburt der Pandora in Gegenwart von 
zwanzig Göttern dargestellt 7). 
Obgleich wir uns nach dieser Beschreibung" das Bild der Göttin ziemlich 
vollständig zusammensetzen können, so bleiben doch über einzelne wesentliche 
Punkte Zweifel, die sich nicht mit Bestimmtheit lösen lassen: so namentlich 
darüber, in Welcher Hand sich die Nike befand. Genaue Nachbildungen in Erz 
oder Marmor, welche über die Vertheilung der Attribute Auskunft geben könnten, 
fehlen uns leider, oder lassen sich wenigstens nicht sicher nachweisen, da in 
Marmorwerken die Arme mit den Attributen fast immer restaurirt sind. Ob 
wir aber als solche die Bilder auf Münzen mehrerer asiatischen Städte S) an- 
erkennen dürfen, scheint mir Wenigstens nicht durchaus Lmzweifelhaft. Halten 
wir uns an Pausanias, so gehören der Speer und die Schlange, mindestens in 
ihrer Hauptmasse, auf die eine Seite, Nach den Münzen und einem Relief 9), 
wo die Nike von der Rechten getragwen wird, müsste dies die Linke sein, auf 
welcher auch der Schild seiner Bestimmung nach am besten Platz findet. Da- 
1) Parthenos nach Pans. Y. 11, 10 und Soh01.Den1osth_c.Androt. p. 597 Reiske. 
Clem. Alex. p. 13, 15 nennt sie Polias. 2) I, 24, 5; 7. 3) 34, 54; 36, 18. Vgl. Panofka 
in d. Ann. delP Inst. H, p. 103. 4) Diss. XIV, p, 260 Reiske. 5) Plut. Per. 31. G) Pollux 
VII, 92. 7) Uelaer die verschiedenen Versuche, die (larauf bezüglichen Worte des Plinius 
(34, 19) zu emendiren, vgl. die Ausgabe von Siilig, 3) Müller u. Oest. II, 19, n. 203. Ger- 
hard liilinervenidole IV, 3. 9) Gerhard V, 5.
        

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