Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1196107
Die 
griechische 
Kunst i n 
ihrer 
Schsten 
geistigen 
E ntwick eh 
125 
 Ein aus vielen Theilen und verschiedenen Stoffen zusammengesetztes Bild 
ist schon an sich Unfällen leichter ausgesetzt, als ein einfaches Erz- oder Marmor- 
Werk. Noch dazu aber war die Altis, wo der Zeus aufgestellt war, durch Feuchtig- 
keit und häufigen Temperaturwechsel berüchtigt, der Zeus also noch besonderer 
Schutzmittel dagegen bedürftig. Nach Pausanias und Andern 1) bediente man 
Sich dazu des Oeles. Dass aber das Bild mit Oel übergossen worden wäre, 
oder dass Verdunstung von ringsherum ausgegossenem Oele den nöthigen Schutz 
gewährt haben sollte, beruht gewiss auf irriger Vorstellung. Vielmehr scheint 
Schubart?) das Richtige getroffen zu haben, wenn er behauptet, (lass der höl- 
zerne Kern des Bildes mit Oel getränkt worden sei: denn dieser sei vor Allem 177 
Zu schützen gewesen, wenn nicht das Elfenbein, auf welches an sich die Witte- 
rung einen geringeren Einfluss ausübt, durch Werfen und Springen der Unter- 
läge ebenfalls Risse habe bekommen sollen. Für das Oel, Welches bei den 
öfter wiederkehrenden Benetzungen herabfliessen musste, befand sich eine eigene 
Vorrichtung, wie Schubart meint, nicht auf dem Boden des Tempels, sondern 
auf der oberen Fläche der Basis. Pausanias sagt davon: der Boden vor dem 
Bilde sei mit schwarzem Marmor belegt; um diesen herum aber laufe eine Leiste 
Von weissem parischen Marmor. um die weitere Ausbreitung des Oels zu ver- 
hindern. Trotz dieser Vorkehrungen und der Sorge der Phaedrynten war in- 
dessen schon 50-60 Jahre nach Phidias das Elfenbein aus seinen Fugen ge- 
gangen. Die Restauration wurde aber damals von dem messenischen Künstler 
Demophon so geschickt ausgeführt 3), dass in der späteren Zeit keine weiteren 
Klagen über ähnliche Beschädigungen laut werden. 
l Ueber die spätere Geschichte des Zeusbildes genügen hier kurze Angaben 4). 
Unter Caesar soll es ein Blitz getroffen haben G). Caligula wollte es nach Rom 
versetzen und durch seinen eigenen Kopf verunstalten 4). Lucian 7) erwähnt, 
dass man dem Bilde zwei der goldenen Locken gestohlen habe, jede sechs  
Minen an Werth; Pausanias schweigt davon und sah im Ganzen das Bild wohl- 
erhalten. Unter Julian spricht Libanius 3) vom olympischen Zeus, als einem 
noch vorhandenen Kunstwerke. Unter Theodosius II, der seit 408 regierte, soll 
der Tempel zu Olympia verbrannt sein, und damals hörte auch die Feier der 
Olympischen Spiele auf  Da nun bald darauf der Peloponnes auch durch die 
Züge der Völkerwanderung verheert wurde, so wird der Zeus kaum die da- 
malige Zeit überdauert haben. Zwar berichtet Cedrenus 10), dass bei dem grossen 
Brande in Konstantinopel 475 n. Chr. der Palast des Lausos, und in ihm nebst 
anderen Kunstwerken auch der olympische Zeus des Phidias zu Grunde ge- 
gangen sei. Doch ist diese Nachricht nicht als vollkommen sicher anzunehmen, 178 
da in Betreff der zugleich erwähnten Kunstwerke grosse Verwirrung herrscht, 
und leicht (ging Verwechselung mit einem anderen Zeusbilde stattgefunden 
haben kann. 
1) Methodius bei Photius p. 293. ed. Bekker. Epiphanius adv. 1125er. 11b. II, .T. l._ haeres. 
Origcn. LXIV, p. 542 ed. Petav. 2) S. 407-413. 3) Pans. IV, 31, b. 4) Apsiührhch han- 
delt davon Rathgeber S. 291 Hgd. 5) EHSGb. 1112161). SV. In, 2, P- 1-53,   b) Sucton. Calig. 
22; 57; vgl, Die Cass, 59, 28. Ioseph. Ant. Iud. 19, 1._ 7) Iup. trag. '20; Ygl. 'l'i1n0n 4. 
8.) Epist. 10-52, 13.497. Auch Julian ep. S. 9) Schol. Luc-lan. 13-221 erl. Jacobltz. 10) Ann. 
P. 322 B.
        

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