Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1196099
Bildhauer. 
Um zu dieser streng gesetzmässigen Anordnung zu gelangen, ist es nur 
nöthig, unter B2 den Namen einer männlichen Gottheit zu ergänzen. Dies recht- 
fertigt sich aber durch den Text des Pausanias, indem die Worte 719a, nocpd 
die aürriv JYdQLQ grammatisch unrichtig" sind, wenn wir aüröv nicht auf einen 
jetzt ausgefallenen Götternamen beziehen wollen.  Eine Composition, welche 
durch einen so strengen Parallelismus ihrer Glieder verbunden ist, kann nicht 
zerrissen und auf verschiedene Seiten der Basis vertheilt werden, zumal da 
Pausanias von den letzten Figuren sagt, sie ständen vföv; m17 ßdägov npög n; 
rtäoan. Der Raum, den sie einnahm, musste also sehr breit bei Verhältniss- 
mässig geringer Höhe sein. Da nun nach den Maassen des Tempels die Basis 
kaum um vieles breiter sein konnte, als der Thron selbst, so können wir ihr 
auf keinen Fall die Höhe geben, welche wir als die gewöhnliche bei stehenden 
Figuren kennen, nämlich etwa 1], bis 1[2 derselben. Vielmehr muss sie den 
Eindruck einer Stufe gewährt haben, von welcher der Gott, wenn er sich hätte 
erheben können, mit Bequemlichkeit herabgestiegen sein würde. 
Die Maasse des ganzen Bildes hatte nach Strabo 1) Kallimachos in iam- 
bischen Versen angegeben. Pausanias aber missbilligt es, darüber Berechnungen 
anzustellen 2), da ja der Gott selbst seine Billigung ausgesprochen habe, indem 
er auf die Bitte des Phidias um ein Zeichen einen Blitz vor dem Bilde habe 
niederfahren lassen, wo noch zu Pausanias Zeiten eine eherne Hydria zum An- 
denken aufgestellt War. Hygin und Philo-sprechen von 60 Fuss, Andere sogar 
von 100 Fuss oder Ellen 3). Allein der ganze Tempel mit Dach und, wie es 
scheint, mit Sockel hatte nach Pausanias 4) nur eine Höhe von 68 Fuss; der 
176 innere Raum nach den neueren Berechnungen 5) nur von etwa 46 Fuss; die 
des Bildes mussten also noch geringer sein. Wollen wir nun dieVerhältnisse 
annähernd bestimmen, so wird es nicht unangemessen erscheinen, wenn wir 
der Basis und dem Schemel etwa die Höhe geben, die der Mensch von seiner 
Länge verliert, wenn er sich auf einen hohen Sessel niedersetzt, d. i. ungefähr 
ein Sechstel. Wäre nun Zeus stehend 42 Fuss hoch, so würde er beim Sitzen 
sieben Fuss niedriger sein, von denen wir vier auf die Basis, drei auf den 
Schemel vertheilen können. Hätte sich aber der Gott auf der Basis stehend 
emporrichten können, so hätte er die Höhe des Tempels, nämlich 4-6 Fuss, ge- 
habt. So erklärt sich auch der Vorwurf, den nach Strabo 6) Einige dem Phidias 
darüber machten, dass es scheine, als werde der Gott, wenn er sich aufrichte, 
das Dach abdecken müssen. Natürlich machen die hier aufgestellten Zahlen 
keinen Anspruch auf genaue Wahrheit, wie es denn überhaupt rathsam er- 
scheint, nicht zu sehr in Einzelheiten einzugehen, wo unsere Quellen kaum so 
weit reichen, uns ein Bild in allgemeinen Zügen zu entwerfen. Eben so wenig 
wage ich, über die künstlerisch-poetischen Ideen, welche der Wahl des Bilder- 
schmuckes zu Grunde liegen mochten, eine Meinung zu äussern, wenn auch 
die Hoffnung nicht aufgegeben werden darf, dass es einst noch gelingen werde, 
wenigstens den leitenden Gedanken der Composition zu erforschen. 
1) VIII, p. 354. 2) S0 verbindet Schubart S. 406, mit Beseitigung der YVorte Snei zu? 
n'a bis 663a als eines Glossems, welches vom Rande in (Ienjfext gekommen sei. 3) Hygin. 
fab. 223. Philo de sept. orb. spect. ed. Orelli, p. 12. Vibius Sequester bei Orelli, p. 142; und 
ebend. S. 145. 4) V, 10, 3. 5) Expäd. scientif. de Moräe T. I, pl. 62 sqq. Ü) VIII, p. 
        

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