Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1196074
Bildhauer 
II. 1. Herakles im Kampfe mit dem Löwen von Nemea. 
2. Des Aias Frevel an Kassandra. 
8. Hippodamia mit ihrer Mutter. 
III. 1. Herakles, der zur Befreiung des gefesselten Prometheus erscheint. 
2. Achilleus, der die sterbende Penthesilea emporhält. 
3. Zwei Hesperiden mit den Aepfeln. 
So haben wir auf jeder Seite drei Gruppen, eine jede von zwei Figuren, 
und wir dürfen demnach wohl annehmen, dass der Raum auch architektonisch 
in derselben Weise gegliedert gewesen sein wird. Auf dieser wandartigen Ver- 
kleidung ruhten alsdann die Querriegel, gleichsam wie ein Gebälk oder Fries 
auf einer Mauer. Und erst auf diesen erhoben sich die Säulen, in gleicher Reihe 
mit den oberen Siegesgöttinnen, welche die Füsse des Thrones im engsten Sinne 
bilden, während alle Theile darunter in gewisser Weise als Basis dieses Säulenbaues 
betrachtet werden können. Die Zahl der Säulen scheint sich aber nach den Ge- 
mälden der Schranken bestimmen zu müssen, indem am natürlichsten zwei auf 
jeder Seite, je eine über der Scheidelinie zweier Gemälde, angenommen werden. 
Auf den ersten Blick mögen uns diese Schranken in solcher Anordnung 
etwas frerndartig erscheinen. Aber dieser Eindruck wird sich mildern, wenn 
wir bedenken, dass dieser Thron nicht ein einfacher Stuhl, sondern eben der 
Thron des Zeus War, welcher, wie ein zu grossen Feierlichkeiten bestimmter 
Königssitz, einen festen Stand und daher eine solidere architektonische Gon- 
struction haben muss. Sodann aber dürfen wir die Art der Ausführung nicht 
unberücksichtigt lassen. Pausanias sagt, diese Schranken seien nach Art von 
Mauern construirt gewesen. Der Eindruck, den sie auf den Beschauer hervor- 
3 brachten, war also wesentlich verschieden von dem der andern Theile des Thrones. 
Der Grund ist einfach und klar: überall sehen wir runde, mehr oder weniger 
erhaben gearbeitete Figuren und Verzierungen, hier dagegen Gemälde. Die 
blaue Farbe (xziavov), welche auf der Vorderseite allein angewendet, auch auf 
den andern Seiten den Grund der Figuren bilden mochte, giebt eine gewisse 
Tiefe, und lässt die aus Gold, Elfenbein und Ebenholz gearbeiteten Theile stark 
hervorspringen. Die Figuren der Gemälde, nach dem Style der damaligen Zeit 
ohne Schatten, nur in Contouren, die mit einfachen Tinten ausgefüllt waren, 
mussten ebenfalls den erhabenen Theilen in dem Gewicht der Wirkung nach- 
stehen. So werden die Schranken in ihrer Gesammtheit mehr den Eindruck 
eines gemalten Vorhangs, einer leichten Verkleidung, als einer schweren Archi- 
tektur hervorgebracht haben. Ja, vergleichen wir nur einmal beispielsweise den 
Restaurationsversuch Quatremereis, so werden wir in demselben sogar den Mangel 
dieser Schranken empfinden, indem er mit seinen isolirten Füssen, Säulen, Quer- 
riegeln, durch die man nach allen Seiten durchblickt, mehr an ein Baugerüst 
erinnert, als an einen würdigen Sitz für den König der Götter. 
Wir holen jetzt ein bisher übergangenes Stück in der Beschreibung des 
Pausanias nach: „Auf jedem der vorderen Füsse liegen thebanische Knaben von 
Sphinxen geraubt, und unter den Sphinxen tödten Apollo und Artemis mit ihren 
Geschossen die Kinder der Niobe." Voraus bemerken wir, dass über den Sieges- 
göttinnen und Säulen sich die Schwingen befinden mussten, welche die Füsse 
unter einander verbanden und das Sitzbrett trugen. Sodann ist namentlich
        

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