Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1196053
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Bildhauer 
ebenfalls; in den Mantel sind aber Figürchen und Blumen, nämlich Lilien, ein- 
gelegt." ln dieser Beschreibung ist der Zeustypus im Ganzen als bekannt vor- 
ausgesetzt: das Verdienst, welches sich Phidias um die Feststellung desselben 
erwarb, werden wir später würdigen. In der äusseren Darstellung verdient zu- 
erst der Kranz aus Oelzxxreigen Beachtung, Welcher dem Zeus offenbar mit Be- 
zug auf den in den olympischen Kampfspielen ertheilten Siegespreis gegeben 
war. Ebenso wird er durch die Nike in der Rechten als oberster Sieger der 
Götter bezeichnet. Nach eleisclien Münzdarstellungen 1) war diese dem Gotte 
zugewandt, gewiss aber nicht, um ihn mit der Binde zu schmücken, sondern. 
gleichsam seines XVinkes gewärtig, um den olympischen Kämpfern ihren Lohn 
zu ertheilen. Dass der Vogel auf dem Scepter der Adler war, versteht sich 
eigentlich von selbst; weshalb Schubart vermuthet, es sei ursprünglich nicht 
der Name desselben, sondern der Stoff, aus dem er gebildet war, nämlich Gold, 
angegeben gewesen 9). Bei den Verzierungen des Gewandes haben wir {qiöta 
von Figuren lebender Wiesen, darunter möglicher Weise auch menschliche Fi- 
guren, im Gegensatze zu den Blumen zu verstehen. Das diese letzteren Lilien 
gewesen seien, ist von Preller bezweifelt worden, der an ihre Stelle Frühlings- 
blumen (civfloäv rot ifgtvd anstatt xgiva) setzen will. Doch scheint nach den 
Bemerkungen Schubarts 3) für diese Veränderung; nicht genügende Nöthigung 
170 vorhanden zu sein. llebrigens haben wir uns diesen Schmuck buntfarbig' zu 
denken 4), wahrscheinlich emaillirt, so wie den am Scepter als eingelegte Metall- 
arbeit. 
Von dem Throne sagt Pausanias im Allgemeinen, er sei bunt von Gold 
und Steinen, bunt auch von Ebenholz und Elfenbein. Die Vertheilung dieser 
Stoffe im Einzelnen giebt er nicht an. Wenn er dagegen ferner berichtet: Fi- 
g-uren seien an dem Throne in Malerei dargestellt und plastische Werke daran 
angebracht, so ergiebt sich aus der weiteren Beschreibung', dass die Gemälde 
nur auf einen Theil beschränkt und, wie wir sehen werden, für diesen besonders 
berechnet waren. Von den Theilen des Thrones nennt Pausanias zuerst die 
Füsse. „Vier Niken in der Haltung von Ghortänzerinnen sind an jedem Fusse 
des Thrones, zwei andere an dem unteren Theile jedes Fusses." Hier ist die 
natürlichste Anordnung, dass die vier oberen rings um die vier Seiten des frei- 
stehenden Fusses vertheilt waren, die unteren an den zwei nach aussen ge- 
kehrten Seiten. „Zwischen den Füssen des Thrones aber sind vier Querriegel, 
je einer von einem Fusse zum andern durchlaufend." Der Platz, den wir den- 
selben anweisen können, muss nothwendig zwischen der oberen und unteren 
Ordnung der Siegesgöttinnen sein. Dass wir nicht die Schwingen des Sessels, 
die Querhölzer unmittelbar unter dem Sitzbrett, zu verstehen haben, lehrt uns 
die Folge; denn es heisst: „auf dem Querriegel dem Eingang gegenüber sind 
sieben Figuren, da die achte, ich Weiss nicht auf welche Weise, verschwunden 
ist." Diese Figuren, auf die Schwinge des Stuhls gesetzt, Würden durch die 
1) Müller u. Osterley. I, 'l'af. 2Ofn. 103. 2) S. 390. Er betrachtet ö derb; als Glossem 
zu Zlgwg, welches in den Text gekommen, während ZQUGOÜ wegen der unmittelbaren XVieder- 
holung dieses Wortes am Anfange des folgenden Satzes ausgefallen sei. 3) in der Ztschr. 
f. Altw. 1t47, S. 229. 4) Deshalb leistete nach Strabo VIII, p. 354 der Maler Panaenos 
gerade bei diesem Theile dem Phiclias thätige Hülfe.
        

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