Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1196039
Bildhauer 
Eine dritte Epoche des Phidias wird uns endlich durch seinen Aufenthalt 
in Elis bezeichnet. Hier handelt es sich um die Darstellung des olympischen 
Zeus in aller seiner Macht und Herrlichkeit, eines in demselben Sinne speciiisch 
hellenischen ldeales, wie Athene ein attisches war.  Sein dortiges Auftreten 
scheint nicht weniger glänzend gewesen zu sein, als in Athen. Er kam nicht 
allein, sondern mit einer Reihe seiner vorzüglichsten Schülerl), so dass die 
attische Kunst plötzlich dorthin versetzt zu sein scheint. -Man bewirbt sich um 
XVerke von ihm und seinen Schülernä), man erbaut ihm von Staatswegen eine 
NVerkstatt, die noch zu Pausanias Zeit gezeigt ward 3), seine Nachkommen er- 
halten als Ehrenamt die Sorge für die Reinigung des Zeusbildes 4); ihm selbst 
aber wird in Olympia gestattet, was ihm in Athen verweigert worden sein soll 5), 
nämlich seinen Namen unter das Bild des höchsten Gottes Griechenlands zu 
setzen 6). Alles dieses zusammengenommen zeigt uns, dass er mit Ehren 
empfangen und ebenso mit Ehren entlassen worden sein muss. Diese Um- 
stände aber müssen wir vor Augen behalten, wenn wir die Nachrichten über 
die letzte Lebenszeit des Künstlers richtig verstehen wollen. 
 Es ist uns bestimmt überliefert, dass Phidias zu Athen wegen Unter- 
schleifes angeklagt ward, den er sich bei der Verfertigung der Athene Parthenos 
habe zu Schulden kommen lassen. Nach einem Auszuge aus Philochorus beim 
Scholiasten des Aristophanes 7) könnte es nun scheinen, dass dieser Process vor 
die Zeit der Anwesenheit in Elis falle, dass Phidias als Verbannter nach Elis 
gekommen sei, und dass sich ein ähnlicher Process in Elis wegen Veruntreuung" 
des für das Zeusbild bestimmten Goldes noch einmal wiederholt habe i). Allein 
ausser den aus seiner dortigen Stellung hergenommenen Gründen spricht da- 
gegen auch die Natur seines attischen Processes 9). Derselbe war fast noch 
mehr gegjen Perikles, als gegen Phidias gerichtet. Um das Ansehen des Pe- 
rikles zu untergraben und ihn schliesslich selbst zu stürzen, griffen seine Gegner 
zunächst die mit ihm engverbundenen Freunde, den Phidias, Anaxagoras, sowie 
die Aspasia an. Aber auch das wagte man erst spät, kurz vor dem Beginn 
des peloponnesischen Krieges: ja diese Processe werden sogar als der Grund 
angeführt, weshalb Perikles den Ausbruch dieses Krieges, den er bis dahin ge- 
hemmt, nun beschleunigte. Dies geschah aber nicht sowohl bald nach der Voll- 
endung des Parthenos, als nach der Vollendung des Zeus, 01.87, 1. In diesem 
Jahre aber scheint Perikles über die sämmtlichen unter seinem Vorstände auf 
der Burg ausgeführten Werke Rechenschaft alagelegt zu haben  so dass auch 
deshalb eine frühere Verhandlung über die Athene nicht wohl angenommen 
werden darf. 
1) Panaenos war sogar mßveggyoi.ri,u'og (Strabo VIII, p. 354), an dem Contracte betlmi- 
ligt, der wegen der Arbeit abgeschlossen ward. Colotes, Phidiae discipuhus et in faciendo 
Iove Olympio adiutor: Plin. 35, 54. Alkamenes liefert die Statueir für den hinteren (Hebel 
des Tempels: Pans. V, 10, 8. 2) Erwähnt werden zu Elis eine Aphrodite IIrania, von Phi- 
dias; ebendaselbt eine Athene von ihm oder Kolotes; zu Kyllene ein Asklepies von Kolotes; 
ferner Gemälde des Panaenos zu Elis. 3) V, 15, 1. 4) Pans. V, 14,5. 5) Cic. 'l'use. I, 13. 
6) Pans. V, 10, 2. 7) Pac. v. 605. s) Bei Seneca, Controv. VIII, 2 handelt es sich blus 
um ein erdichtetes 'l'hen1a zu Redeübilngen. 9) Am ausführlichsten handeln über denselben 
Plutarch Per. 31 und Diodor XII, 39 ilgd, der aus Ephorus schöpft. 10) wie Heyne (Ant. 
Aufs. I, S. 197) und Sillig (p. 338), wohl mit Grund vermuthen. Valerius Uax. III, 1 ext. 
indessen spricht nur von den Propyläen.
        

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