Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1195794
Bildhauer 
Göttlichen, dem Charakter der letzteren entspreche dagegen die minder hohe 
Sphäre des Menschlichen.  Darin also stimmen Dionys und Lucian vollkommen 
überein, dass sie die Eigenthtimlichlaeit des Kalamis nicht in einem hohen 
Schöpfungsvermögen erblicken, welches gewagt hätte, die höchsten, sowohl 
physischen als geistigen Kräfte durch die freieste Gestaltung aller Formen zur 
Darstellung zu bringen, und in solchen freien Bildungen die höchste Aufgabe 
der Kunst zu erkennen. Was an ihm in verschiedener Weise als Vorzug; an- 
erkannt wird, deutet vielmehr auf eine vorwiegende Thätigkeit der Empfindung 
und des Gefühls, welche durch sinnige Beobachtung dem Leben diejenigen Züge 
und Bewegungen abzulauschen sucht, in denen der individuelle Ausdruck am 
132 bedeutsamsten zur Erscheinung kommt. Eine gewisse Strenge und Härte ver- 
trägt sich mit jener Züchtigkeit und Wohlanständigkeit, mit jener Zierlichkeit 
und zarten Grazie sehr wohl; ja sie ist fast nothwendigg indem das Wesen 
aller dieser Eigenschaften in einer Bewahrung; bestimmter Schranken, selbst in 
einem Verschmähen derjenigen Freiheit beruht, deren Gebrauch zwar durch die 
Sitte erlaubt, aber darum noch nicht überall empfehlenswerth ist. XVollen wir 
hiernach die Bedeutung des Kalamis für die Entwickelung der Kunst in kurzen 
Worten zusammenfassen, so dürfen wir nicht sagen, dass er durch ein tiefes 
Eindringen in die Gesetze künstlerischer Gestaltung eine in ihren Ausgangs- 
punkten wesentlich neue Bahn eingeschlagen habe. Die Grundlagen sind viel- 
mehr bei ihm in der Hauptsache die der vorhergehenden Epoche: aber indem 
er sich der Beobachtung der natürlichen Erscheinung der Dinge mit völliger 
Liebe hingiebt und alle einzelnen, feinen Züge nachzuemptinden und nachzu- 
fühlen bestrebt ist, erfüllt er die früher starren und kalten Formen mit einem 
grösseren Beichthum inneren Lebens und bereitet dadurch zugleich eine gänz- 
liche Umbildung dieser Formen selbst vor. 
Pythagoras. 
Pythagoras aus Rhegion wird von Pausanias 1) Schüler des Rheginers 
Klearch genannt; dieser hatte bei Eucheiros von Korinth, Eucheiros bei den 
Spartiaten Syadras und Ghartras gelernt. Die Fragen, welche sich an die Namen 
dieser Künstler knüpfen, sind schon früher erörtert worden. Sie hier noch weiter 
zu verfolgen, ist unnöthig, da wir ausser Stande sind. zu bestimmen, worin die 
Eigenthümlichkeit dieser Schule lag. 
Pythagoras muss schon um die Mitte der siebziger Olympiaden thätig 
gewesen sein. Denn er xierfertigte die Statue des Krotoniaten Astylos, der zu 
Olympia dreimal im Laufe und Doppellaufe in drei auf einander folgenden 
Olympiaden: 73, 74, 75, siegte 2). Da er sich aber dem Hieron zu Liebe zum 
zweiten und dritten Male als Syrakusaner ausrufen liess, so straften ihn die 
Krotoniaten dadurch, dass sie sein Haus zum Gefängniss machten und seine Statue 
aus dem Tempel der Hera Lakinia entfernten. Wäre diese letztere ein Werk 
gänzlich unbekannten Jidluü"; 1112143114; zu schreiben 
von Gregor herrührt, der in dieser Stelle hinsichtlich 
unterrichtet zeigt. 
1) VI. 4, 4. 2) Pans. VI, 13. 1. 
ist 
der 
 sofern nicht der Irrthunl schon 
Künstler überhaupt sich schlecht
        

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