Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1195744
Grössere 
Ausbreitung und Streben nach 
freier lüutwickeluxmg. 
S0 wenig wie bei den Bronzen aller andern Schulen. Das gewonnene Resultat be- 
hält also seine Bedeutung überall, wo die Wahl des Stoffes frei war. Seine Rich- 
tigkeit aber wird sich noch mehr dadurch bewähren, dass es seine Geltung auch 
über diese Periode hinaus gerade in der Blüthezeit der griechischen Kunst behauptet. 
Ueberhaupt bildet, wenn wir auf die aussere Geschichte sehen, diese 
Periode nicht einen so scharfen Abschluss, wie die vorige, nach deren Ende 
die Kilnsttibung" fast überall ihre Wohnsitze veränderte. Aegina freilich ver- 
schwindet, weil es ein selbstständiger Staat zu sein aufhört, auch aus der Ge- 
Scbichte der Kunst. Argos nebst Sikyon aber und Athen behaupten in der 
folgenden Zeit noch weit ausschliesslicher ihre Herrschaft, so dass, was ausser- 
halb dieser Mittelpunkte steht, nur in geringem Maasse Lmsere Aufmerksamkeit 
zu fesseln vermag. 
Blicken wir nun auf die Summe unserer Ergebnisse zurück, so erscheint 
es gewiss gerechtfertigt, wenn wir im Eingange sagten, dass wir diese Periode 
mit dem Gefühl nicht befriedigter Erwartung verlassen müssen. "Wlollen wir 
aus dem, was später sich ereignet, iückwärts schliessen, so möchten wir vieles 
mit Bestimmtheit annehmen, was sich im Kunstleben dieser Zeit zugetragen 
haben muss. Aber uns fehlen die Mittel es zu beweisen und im Einzelnen 
darzuthun. Wir befinden uns in der Nähe des Höhepunktes, fast ohne es zu 
ahnen. Nun ist es wohl wahr, dass der letzte Schritt zur Vollendung auch der 
gewaltigste zu sein pflegt. Allein behaupten zu wollen, dass der Geist eines 125 
Phidias bei aller seiner Gewaltigkeit allein genügt habe, die bisher unrnündige 
Kunst ohne vorbereitende Hülfe mit einem Schlage zur Selbständigkeit zu er- 
heben, das würde im Widerspruch mit allen analogen Erscheinungen auf dem 
allgemeinen Gebiete der Geschichte stehen. Undzum Glück sind wir auch 
hier nicht so arm, wie es nach dem Bisherigen scheinen könnte. Eine einzige 
grosse Entdeckung, die der aeginetischen Giebelstatuen, hat bereits über viele 
Fragen Licht verbreitet. Aber auch in der Geschichte der Künstler bleiben uns 
noch einige Glieder tibrig, die zur Vermittelung des scheinbaren Sprunges viel- 
fältig beitragen. Hatten wir genauere Nachrichten, namentlich über Ageladas 
und Onatas, so würden wir sie wahrscheinlich ebenfalls in diese kurze Ueber- 
gangsperiode setzen müssen. In Ermangelung derselben knüpfen wir unsere 
Erörterung nur an drei Künstler, die einerseits Zeitgenossen der genannten, 
anderseits auch noch des Phidias selbst sind, nenilich Kalamis, Pythagoras, 
Myron. 
Kalamis. 
Das Vaterland des Kalamis ist uns nicht bekannt, und seine Werke waren 
an vielen Orten zerstreut, so dass wir auch daraus über dasselbe nichts mit 
Sicherheit schliessen können. Da er aber in Athen arbeitete, auch einen Athener, 
den Praxias, zum Schüler hatte, so ist es Wenigstens möglich, dass er dorthin 
Zu setzen ist.  Für die Bestimmung seiner Zeit gewährt uns das Gespann 
des Hieron, an dem er in der 78sten Ol. mit Onatas zugleich laeschüftigt war, 
einen festen Haltptmkt. Er musste also damals schon einen gewissen Ruf be- 
Sitzen, und es wäre demnach nicht unmöglich, dass er an den Knahenstatuen, 
Welche die Agrigentiner wegen der Besiegung; von ltlotya nach Olympia weih-
        

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