Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1195733
Bildhauer. 
sehr allgemeinen Ausdrücken. Des Kallon und Hegesias Werke sind nach 
Quintilian 1) noch hart und den tuscanischen ganz nahe stehend, eben so nach 
Cicero 2) die des Kanachos zu herbe, als dass sie die Wahrheit nachahmten. 
123 In ähnlicher Weise nennt Lucian 3) die alten attischen Werke zugeschnürt, 
sehnig und hart, scharf in den Umrissen. Alle diese Urtheile sind aber nur 
allgemeine Bezeichnungen für den alten Styl, die nicht auf die feineren Unter- 
scheidungszeichen innerhalb desselben eingehen. Denn fragen wir nun weiter, 
worin denn z. B. die Aehnlichkeit des Kallon mit den Tuscanern bestand, worin 
sich die attische von der aeginetischen Arbeit unterschied, so sehen wir uns 
von unsern Gewährsmännern verlassen. Eine Vermuthung habe ich auf die 
Vergleichung der aeginetischen Giebelstatuen und der Grabsäule des Aristokles 
hin auszusprechen gewagt. Aber schon, dass ich so ung-leichartige Werke ver- 
gleichen musste, beweist unsere Armuth, und erst ein Lunfangreicheres Studium 
der Monumente wird uns vielleicht in Zukunft einige Entschädigung für die 
Mängel der schriftlichen Ueberlieferung gewähren. Noch weniger sind wir über 
die Composition sowohl einzelner bewegter Figuren, als ganzer Gruppen unter- 
richtet. Pausanias, der hier beinahe ausschliesslich unsere Quelle ist, begnügt 
sich mit den dürftigsten Angaben und nennt meist nicht mehr, als die Namen 
der handelnden Personen: Nestor steht auf gesonderter Basis den neun Heroen 
der Achaeer gegenüber, die das Loos erwarten; Taras und Phalanthos stehen auf 
dem gefallenen Opis; Apollo von Artemis und Leto, Herakles von Athene zurück- 
gehalten, haben den Dreifuss gefasst und kämpfen um dessen Besitz; Herakles 
kämpft gegen die Amazone zu Ross: das sind die Angaben, welche er uns über die 
Anordnung ganzer Gruppen gewährt, die uns aber über das Künstlerische der 
Gomposition gänzlich im Dunkeln lassen. Auch hier also sind wir auf Analo- 
gien, theils der aeginetischen Giebelstatuen, theils der grossen Reliefcomposi- 
tionen angewiesen, welche uns überall zuerst das Gesetz eines strengen Ent- 
sprechens der einzelnen Glieder innerhalb des gegebenen Raumes offenbaren. 
In Rücksicht auf die Stoffe, aus denen man bildete, gebührt der vorigen 
Periode der Ruhm, neue Bahnen eingeschlagen zu haben; die jetzige bietet 
nur die in ihren Folgen freilich äusserst wichtige Erscheinung, dass der Bronze- 
guss nicht nur zu einem Genleingut von ganz Griechenland, sondern das vor- 
züglichste Mittel zu künstlerischer Darstellung wurde. Wir begegnen ihm überall 
und an vielen Orten fast ausschliesslich. Unter den Werken aeginetischer Künstler 
124 finden wir nur ein Xoanon von Kallon, in Sikyon ebenfalls nur ein Xoanon neben 
einem Goldelfenbeinbilde von Kanachos, in Argos nur Bronzebilder, endlich noch 
Xoana von Laphaäs und Hermon, ein Goldelfenbeinbild von Menaechmos und 
Soidas, Nur in Athen begegnen wir ausser den Elfenbein- und Holzbildern des 
Endoeos auch noch dem Marmor. Dieses aus den Nachrichten über die Künstler 
gewonnene Resultat scheint nun zwar im Gegensätze zu stehen mit den er- 
haltenen Monumenten. Denn die bedeutendsten Marmorwerke dieser Periode 
sind gerade die aeginetischen Giebelstatuen. Allein wir dürfen nicht vergessen, 
dass diese mit der Architektur in Verbindung stehen, und dass dadurch der 
Stoff bedingt ist. Dies ist bei den athenischen Marmorwerken nicht der Fall, 
Brut. 
Rhet. 
praec.
        

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