Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben des Michelangelo Buonarroti
Person:
Condivi, Ascanio Eitelberger von Edelberg, Rudolf Valdek, Rudolph
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1410455
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1411642
LEBEN DES MICHEL ANGELO 
BUONARROTI. 
sondern hat gleicherweise alles das wissen wollen, was zu dieser 
Profession irgendwie dienlich ist, wie z. B. Seilemachen, Gerüste 
oder Decken aufschlagen und ähnliche Dinge, worin er so 
geschickt war, wie Jene, die keine andere Profession haben, 
welches zur Zeit Julius' II. bei folgender Gelegenheit ersichtlich 
wurde. Als Michel Angelo die Wölbung der Capelle des Sixtus 
ausmalen wollte, befahl der Papst dem Bramante, er solle das 
Gerüst machen. Dieser, mit alledem, dass er der Baumeister 
war, der er war, wusste nicht, wie er es machen sollte, und 
durchlöcherte die Wölbung an mehreren Stellen, um durch die 
Löcher Seile herunterzulassen, die das Gerüste halten sollten. 
Wie Michel Angelo dies sah, lachte er darüber -und frug den 
Bramante, wie er es zu machen hätte, wenn er bei den Löchern 
Würde angelangt sein. Bramante, der keine Rechtfertigung 
wusste, antwortete bloss, dass man es nicht anders machen 
könne. Die Sache kam vor den Papst, und da Bramante das- 
selbe erwiderte, wandte der Papst sich zum Michel Angelo 
und sagte: „Da dies nichts taugt, so geh' und mach" es selber." 
Michel Angelo riss das Gerüst nieder und nahm die Seile 
heraus, die er einem seiner Arbeiter, einem armen Manne 
gab, wodurch er Ursache war, dass dieser zwei seiner Töchter 
verheiratete. Dann baute er ohne Stricke das seinige auf, das 
so gut verschränkt und zusammengesetzt war, dass es immer 
um desto fester hielt, je mehr es belastet wurde. Das war die 
Veranlassung dazu, dass dem B_ramante die Augen aufgingen 
und dass er ein Gerüst aufschlagen lernte, was ihm dann beim 
Baue von Sanct Peter sehr zu Statten kam. Und trotz alledem, 
obwohl Michel Angelo in derlei Dingen nicht Seinesgleicluen hatte, 
so wollte er nichtsdestoweniger von der Baukunst niemals Profes- 
sion machen. Im Gegentheile, als letzthin Anton von San Gallol 
1Es gab zwei Antonio da San Gallo (di Bartolomeo d" Antonio, 
di Bartolonueo Picconi), geb. 14.85, starb 1546, und Antonio da San Gallo 
(di Francesco di Bartolo di Stefano Giamberti), geb. r455, gest. 1534 am 
27. Dccember. Hier ist der Erstgenannte gemeint, dessen Leben mit der 
Regierung des Papstes Paui III. (1538-1549) zusammenfäilt. 
Das hier erwähnte Breve des Papstes Paul III. veröffentlicht Bonnani 
in seiner J-Iistbria templi Vaticani" (Romae 1696, FoL, pag. 77), ferner 
erwähnt die von Condivi angeführten Daten auch Vasari (XII, pag. 226-227).
        

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