Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben des Michelangelo Buonarroti
Person:
Condivi, Ascanio Eitelberger von Edelberg, Rudolf Valdek, Rudolph
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1410455
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1411572
LEI 
äEN DES MICHEL 
ANGELO BUONARROTI. 
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Minutien, welche die Anatomen beachten, und dass dem so sei, 
das beweisen seine Gestalten, in denen so viel Kunst und 
Wissenschaft steckt, dass sie von was immer fur einem Maler 
kaum nachzuahmen sind. Ich habe immer diese Meinllng gehabt, 
dass die Anstrengungen und Bemühungen der Natur eine vor- 
geschriebene Grenze haben, von Gott gesetzt und angeordnet, 
die von einer gewöhnlichen Fähigkeit nicht kann überschritten 
werden, und dass dies nicht nur von Malerei und Sculptur gilt, 
sondern überhaupt von allen Künsten und Wissenschaften, und 
dass sie eine solche Anstrengung macht in Einem, dem sie die 
erste Stelle anweist, und der in dieser Fähigkeit Beispiel und 
Gesetz sein soll, in der Art, dass, wer dann in dieser Kunst 
etwas hervorbringen will, das werth ist, gelesen oder gesehen zu 
werden, dies entweder dasselbe sein muss, das schon von" jenem 
Ersten war hervorgebracht worden, oder wenigstens diesem 
ähnlich sein und denselben Weg gehen, oder dass es, wenn es 
ihn nicht geht, um so viel LIHICFgCOTClUCICF sei, je mehr es sich 
von dem rechten Weg entfernt. Wie viele Philosophen haben 
wir nach Plato und Aristoteles gesehen, die geschätzt worden 
waren, ohne jenen nachzufolgen? Wie viele Redner tiach 
Demosthenes und Cicero? Wie viel Mathematiker nach Euklid 
und Archimedes? Wie viele Aerzte nach Hippokrates und Galen? 
Oder Dichter nach Homer und Virgil? Und wenn es doch Einen 
gegeben hat, der in diesen Wissenschaften gearbeitet hat, und 
der ganz fähig gewesen wäre, von sich selbst an die erste Stelle 
zu gelangen, so hat nichtsdestoweniger ein Solcher, weil er sie 
schon besetzt fand, und weil es keine andere Vollkommenheit 
gibt, als jene, die die Ersten schon früher erreicht hatten, 
exitweder die Unternehmung aiufgegeben, oder sich, als ein Mann 
von Urtheil, der Nachahmung jenes Ersten gewidmet, der die 
Idee der Vollkommenheit vorstellt. Dies hat man heutigen Tages 
gesehen am Bemb0,' am Sannazaro, am Caro, am Guidiccioni, 
1 Von den hier erwähnten Persönlichkeiten ist Pietro Bcmbo, geb. zu 
Venedig, 20. Mai 14.70, gest. den 18. Jänner 1547, der berühmteste. Einer 
der grössten Gelehrten seiner Zeit und Filhrer der Humanisten, kann er 1512 
nach Rom und blieb bis zu seinem Tode mit den Päpsten in enger Ver- 
bindung.  Sannazaro Pietro, ein geachteter Dichter, geb. zu Neapel 28. Juli 
1458, gest. den 27. April 1530.  Caro Annibalea geb. 1507 zu Citta-Nova
        

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