Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben des Michelangelo Buonarroti
Person:
Condivi, Ascanio Eitelberger von Edelberg, Rudolf Valdek, Rudolph
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1410455
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1411499
LEBEN DES MICHEL 
ANGELO BUONÄRROTI. 
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und Weisen, unter dem rechten Arm die Gesetzestafeln haltend 
und mit der Linken sich das Kinn stützend, wie ein müder und 
sorgenvoller Mann, zwischen den Fingern welcher Hand einige 
lange Bartbüschel hervorkommen, was gar schön anzuschauen 
ist. Das Gesicht ist voll Leben und Geist und dazu angethan, 
Zugleich Liebe und Schrecken einzuflössen, wie es mit dem 
Wirklichen gewesen sein mag. Er hat, so wie er pflegt beschrieben 
zu werden, die beiden Hörner über dem Kopfe, nicht Weit 
über dem höchsten Punkt der Stirne. Er ist bekleidet und 
beschuht und mit nackten Armen und jegliches andere Ding 
nach antiker Weise. Ein Wunderbares Werk und voller Kunst, 
am meisten aber, weil unter so schönen Gewändern, womit er 
bedeckt ist, alles Nackte hervorscheint, so dass die Kleidung 
den Anblick der Schönheit des Körpers nicht hindert, was man 
jedoch von ihm überall beobachtet sieht, in allen bekleideten 
Figuren, bei der Malerei und der Sculpttir. Diese Statue ist von 
mehr als doppelter Lebensgrösse. Rechts von derselben, unter 
einer Nische, ist die andere, welche das beschauliche Leben vor- 
stellt, eine Frau von mehr als natürlichem Wuchse, aber von 
seltener Schönheit, mit gebogenem Knie, nicht auf der Erde, 
sondern auf einem Sockel stehend, mit dem Gesichte und 
mit beiden Händen zum Himmel gekehrt, so dass es scheint, 
dass sie in jedem ihrer Theile Liebe zithme. Auf der andern 
Seite, das ist links vom Moses, ist das thätige Leben, mit einem 
Spiegel in der rechten Hand, in welchem sie sich aufmerksam 
betrachtet, wodurch tingezeigt wird, dass unsere Handlungen in 
Eiberlegter Weise gethan werden sollen, und in der linken mit 
einem Blumenkranze. Worin Michel Angelo dem Dante gefolgt 
ist, den er immer sehr studirt hat, welcher in seinem Fegefeuer 
angibt, er habe die Gräfin Mathilde, "die er für das thätige Leben 
nimmt, in einer Blumenwiese getroffen. Das Ganze des Grabmales 
ist ciurchwegs schön und hauptsächlich die Verbindung der 
Theile untereinander vermittels des Gesimses, so dass man 
nichts hinzuthun kann. 
LIl. Dies nun mag genug sein hinsichtlich dieses Werkes, 
ja ich glaube fast, dass es schon zu viel gewesen sei und anstatt 
des Vergnügens dem, der es gelesen, Langeweile gemacht habe. 
Nichtsdestoweniger hat es mir doch nothwendig geschienen, um 

        

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