Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben des Michelangelo Buonarroti
Person:
Condivi, Ascanio Eitelberger von Edelberg, Rudolf Valdek, Rudolph
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1410455
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1411320
LEBEN 
DES MICHFII 
ANGELO 
BUONARROTI. 
ohne irgend eine Hilfe zu haben, nicht einmal Einen, der ihm 
die Farben rieb. Es ist wahr, dass ich ihn habe sagen hören, 
dasselbige sei nicht so vollendet, als er es gewünscht hätte, weil 
ihn die Eile des Papstes verhinderte, welcher, da er ihn eines 
Tages frug, wann er diese Capelle fertig machen werde, und er 
ihm antwortete: „Wann ich kann," ihm zornig erwiderte: „Du 
hast Wohl Lust, dass ich dich von diesem Gerüste herabwerfen 
lasse." Wie das Michel Angelo hörte, sprach er zu sich: "Herab- 
werfen wirst du mich nicht lassen," und als Jener fort war, liess 
er die Brücke auseinandernehinen und deckte das Werkauf, am 
Allerheiligentage; welches dann gesehen wurde vom Papste mit 
grosser Befriedigung (der an diesem Tage in die Capelle ging) 
und unter grossem Zulauf und Bewunderung von ganz Rom. 
Es blieb noch übrig, mit Ultramarinblatx auf trockenem Wege 
zu retouchiren, sowie hie und da mit Gold, dass es reicher 
scheinen sollte. Julius, nachdem sein Eifer vorbei war, wollte 
noch, dass Michel Angelo das vollbringen sollte, er aber, der 
die Beschwerlichkeit überlegte, die es" ihm machen würde, das 
Gerüst wieder in Ordnung zu bringen, antwortete, dass das, 
was daran fehlte, nicht von Belang sei. „Es wäredogh xiöthig, 
es mit Gold zu retouchiren," erwiderte der Papst, worauf 
Michel Angelo vertraulich, wie er es mit Seiner Heiligkeit ge- 
wohnt war: „lch sehe nicht, dass die Menschen Gold an hätten." 
Und der Papst: „Es wird sich ärmlich machen."  „Die da 
aufgemalt sind," antwortete Michel Angelo, "waren auch ärmlich." 
So wurde es in Spass gekehrt und ist so geblieben. Es hatte 
Michel Angelo für dieses Werk für alle seine Auslagen 3000 Ducaten,' 
Malerei, in zwanzig Monaten fertig zu bringen, -auch bei einer Arbeitskraft, 
wie es Michel Angeln war. Bunsen und Plattner (a. a. O. ll. 1, png. 258, 
Not. H") nehmen an, dass Michel Angeln mit dem Ganzen 1510 fertig wurde; 
neuere Schriftsteller nennen das Jahr 1512. Letzteres hat manche innere 
Wahrscheinlichkeit für sich. 
1 Die Summe, die hier Condivi anführt, dilTerirt von der, welche Vnsari 
nennt. Vasari erzählt, Michel Angele habe, nach einer von Giuliano da San 
Gnllo vorgenommenen Schätzung, 15.000Ducr1ten erhalten. Abgesehen davon, 
dass diese Summe zu hoch gegrifTen scheint, stimmt sie auch nicht zu der 
Quittung von Michel Angele vom 10. Mai 1508, die im Originale erhalten 
ist, und worin Michel Angeln nur über 500 Ducaten quittirt. Es scheint, dass 
CondivPs Angabe die richtige ist.
        

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