Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben des Michelangelo Buonarroti
Person:
Condivi, Ascanio Eitelberger von Edelberg, Rudolf Valdek, Rudolph
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1410455
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1411293
LEBEN DES MICHEI. ANG] 
ELO BUONARROTI. 
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Gewandung. Aber am wunderbarsten von Allen ist der Prophet 
Jonas, der am Kopfe des Gewiölbcs gesetzt ist; sintemal ent- 
sprechend der Form desselbigen Gewölbes und nach Kraft der 
Lichter und Schatten, der Rumpf sich nach innerhalb zu ver- 
kürzt und nach jenem Theile, der dem Auge näher ist, während 
die Beine, die nach Aussen hervorragen, in dem entfernteren 
Theile sind. Ein erstaunliches Werk und das da beweist, was 
in diesem Manne für eine Wissenschaft sei, betreffs der Fähigkeit, 
die Linien zu ziehen in den Vcrkürzungen und der Perspective. 
Aber in jenem Raume, der unter den Lünetten ist, sowie auch 
in dem oberen, der die Figur eines Dreiecks hat, ist aufgemalt 
die ganze Genealogie, das heisst der Stammbaum des Heilands, 
ausgenommen in den Dreiecken der Ecken, welche, mit einander 
vereinigt, eines werden aus zweien und doppelten Raum geben. 
In einem also derselbigen, nahe an der Wand des Gerichts, zu 
rechter Hand, sieht man, wie Haman auf Befehl des Königs 
Ahasver an das Kreuz geschlagen ist; und dies deshalb, dass 
er aus Hochmuth und Stolz den Mardochai aiufhiingen lassen 
wollte, den Onkel der Königin Esther, weil er ihm bei seinem 
Vorbeigehen nicht Ehrerbietung und Reverenz bewiesen. In 
einem andern ist die Geschichte von der ehernen Schlange, von 
Moses, auf einem Pfahl erhöht, wo das Volk Israel, das von 
kleinen lebendigen Schlangen verletzt und geplagt wurde, wenn 
es darauf schaute, geheilt war; wobei Michel Angelo eine ier- 
staunliche Kraft gezeigt hat in Jenen, welche sich diese Schlangen 
vom Leib ziehen wollen. In der dritten Ecke nach unten ist 
die Rache, die Judith an Holofernes ausgeübt, und im vierten die 
des David an Goliath. Und das ist in Kurzem die ganze Geschichte. 
XXXV. Aber nicht weniger bewundernswerth ist der Theil, 
der nicht zur Geschichte gehört. Das sind gewisse nackte Figuren, 
die über dem genannten Gesims auf einigen Sokeln sitzend, 
eine von da und eine von dort die Medaillons haltenf die wie aus 
1 Die "varie storie", auf die hier hingedeutet ist, beziehen sich auf 
die Familien- und Lebensgeschichte des Papstes, nicht auf loiblische Gegen- 
stände. Sie sind auf den Medaglioni wünti di metallo" dargestellt. Das Herein- 
Ziehen der Familiengeschichte des Papstes in den Cyclus aus dem alten 
Testamente wird Niemand wundern, der die Anschauungen der Zeit kennt. 
Die Medaglionik waren jedenfalls der angemessenste Ort, diese anzubringen.
        

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