Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben des Michelangelo Buonarroti
Person:
Condivi, Ascanio Eitelberger von Edelberg, Rudolf Valdek, Rudolph
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1410455
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1411212
LEBEN DES MICHEL ANGELO 
BUONARROTI. 
selbige merken konnte, dass sie ihn nicht hätten zurückbringen 
können gegen seinen Willen. Der Brief des Papstes lautete so: 
„Dass, sowie er das Gegenwärtige gesehen, er sofort nach Rom 
zurückkommen sollte, bei Vermeidung seiner Ungnade." Worauf 
Michel Angelo in Kürze antwortete: „Dass er niemals zurück- 
kommen werde, und dass er es nicht verdiene, für seine guten 
und treuen Dienste einen solchen Umschlag zu erleben, dass er 
von seinem Angesichte gejagt werde, wie ein schlechter Kerl; 
und dieweil Seine Heiligkeit nichts mehr hören wolle vom Grab- 
mal, so sei er ausser PHicht und wolle sich zu nichts Anderem 
verpHichten." Sobald der Brief ausgestellt war, wie es erzählt 
worden und die Couriere entlassen, ging er nach Florenz, woselbst 
in den drei Monaten, die er dort zubrachte, der Signoria drei 
Breve zugesandt wurden, voll von Drohungen, sie sollten ihn 
zurückschicken, sei's mit Güte, sei's mit Gewalt. 
XXX. Pier Soderinif der damals auf Lebenszeit Gonfaloniere 
jener Republik war, welcher ihn vorhin gegen seinen Willen nach 
Rom hatte gehen lassen, da er ihn benützen wollte, den Raths- 
saal auszumalen, zwang beim ersten Breve den Michel Angelo, 
nicht zurückzukehren, in der Hoffnung, der Zorn des Papstes 
werde vorübergehen; als aber das zweite und dritte gekommen 
war, berief er den Michel Angelo und sagte ihm: „Du hast dem 
Papst ein Stücklein aufgespielt, wie es ein König von Frankreich 
nicht gethan hätte, aber jetzt musst du dich nicht länger bitten 
lassen. Wir wollen deinetwegen keinen Krieg mit ihm anfangen 
und unseren Staat auf's Spiel setzen, deshalb mach' dich bereit, 
zurückzukehren." Michel Angelo, als er es dahin gekommen sah, 
da er den Zorn des Papstes fürchtete, dachte nach der Levante 
zu gehen, hauptsächlich weil er, vermittelst einiger Mönche vom 
heil. Franciscus, vom Türken mit den grössten Versprechun- 
gen angegangen worden war, der ihn brauchen wollte, von 
Constantinopel nach Pera eine Brücke zu bauen, wie auch zu 
1 Pietro Soderini, seit dem Sturze der Mediceer und der Hinrichtung 
Savanaroltfs, 148g, Gonfaloniere von Florenz, blieb bis 1512 an der Spitze 
der Republik. Die Mediceer verdankten in dieser Zeit ihre Rückkehr Julius ll., 
dessen Feldherr Raimund ven Cordona die Florentincr schlug. Julius ll. 
verlangte. die Absetzung des Pietro_ Soderini. Der Cardinal Giovanni Medici, 
der nachmalige Papst Leo X., trat an die Spitze der Geschäfte.
        

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