Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben des Michelangelo Buonarroti
Person:
Condivi, Ascanio Eitelberger von Edelberg, Rudolf Valdek, Rudolph
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1410455
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1411097
ANG ELO 
LEBEN DES MICHEL 
BUONARROTI. 
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sich in ihr erhielt, auch dadurch glaublich wird, dass durch gött- 
liches Zuthun bewirkt wurde, der Welt die Jungfrätilichkeit und 
beständige Reinheit der Mutter zu bezeugen. Und das ist beim 
Sohne nicht nothwendig gewesen, sondern eher das Gegen- 
theil, sintemal gezeigt werden sollte, dass der Sohn Gottes den 
wirklichen Leib des Menschen anzunehmen hatte, wie er es 
that, und allem dem Llnterworfen zu sein, dem ein gewöhnlicher 
Mensch unterliegt, ausser der Sünde; daher war es nicht noth- 
wendig, durch das Göttliche das Menschliche zurückzudräingen, 
sondern dieses in seinem Lauf und Ordnung zu lassen, so dass 
es jenes Alter aufwies, das es gerade hatte. Deshalb hast du 
dich nicht zu verwundern, wenn ich aus dieser Rücksicht die 
allerheiligste Jungfrau, die Mutter Gottes, im Vergleich zum 
Sohne viel jünger gemacht habe, als es jenes Alter gewöhnlich 
verlangt, dem Sohne aber sein Alter liess." Eine Betrachtung, 
jedes Theologen würdig, und an einem Andern vielleicht erstaun- 
lich, nicht aber an ihm, den Gott und die Natur gebildet haben, 
nicht bloss um mit der Hand Einziges zu leisten, sondern der 
jedes göttlichen Gedankens fähig ist, wie dies nicht nur aus 
Gegenwärtigem, sondern aus so vielen seiner Bemerkungen und 
Schriften sich erkennen lässt. Es mochte Michel Angelo, da 
er dies Werk machte, 24 oder 25 Jahre haben. Er erwarb 
sich durch diese Arbeit grossen Ruf und Reputation, der- 
massen, dass es bereits die Meinung denWelt war, dass er 
nicht nur jeden Andern seiner Zeit und der vor ihm weit über- 
hole, sondern dass er sogar mit den Alten wetteifere. 
XXI. Nachdem diese Sachen fertig waren, war er durch 
seine häuslichen Angelegenheiten genöthigt, nach Florenz zurück- 
zukehren, woselbst er ein wenig verweilte und jene Statue 
machte, die bis heutigen Tages aufgestellt ist vor dem Thor des 
Palastes der Signorie am Ende der Vorhalle und die von Allen 
der Gigantl geheissen wird, und es ging diese Sachexfolgender- 
1 Der "Gigant" ist die Marmorfigur des David, welche auf dem von 
Cronaco und Antonio daiSangallo entworfenen Postamente vor dem Palazzo 
della Signoria steht. In diesem Jahre wird diese Kolossaliigur nach der Akademie 
der schönen Künste übertragen, um dieselbe in einem bedeckten Raume 
vor den Unbilden der Witterung, die sich schon in sehr betienklichem Grade 
bemerkbar gemacht haben, zu schützen. Ein Bronze-Abguss des David wird
        

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