Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben des Michelangelo Buonarroti
Person:
Condivi, Ascanio Eitelberger von Edelberg, Rudolf Valdek, Rudolph
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1410455
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1411086
LEBEN DES MICHEL ANGELO BUONARROTI. 
gleich sie Anfangs aufgestellt war in der Kirche der heiligen 
Petr0nilla, der Capclle des Königs von Frankreich, nahe bei 
der Sacristci von Sanct Peter, nach Einigen VOFITIEIlS ein Tempel 
des Mars, die, aus Rücksicht auf den Plan der neuen Kirche, 
von Bramante niedergerissen wurde. Dieselbige sitzt auf dem 
Steine, wo das Kreuz festgemacht war, mit dem todten Sohne 
auf dem Schoosse, von solcher und so grosser Schönheit, dass 
sie Keiner sah, den sie nicht bis zur Rührung ergriff. Ein Bild- 
niss, wahrhaftig würdig jenes Menschenthums, wie es sich für 
den Sohn Gottes und eine-solche Mutter ziemte, obschon es Einige 
gibt, die es an dieser Mutter tadeln, dass sie zu jung sei im 
Vergleich zum Sohn. Als ich darüber eines Tages mit Michel 
Angelo sprach, amtwortete er mir. „Weisst du nicht, dass die 
keuschen Frauen sich viel frischer erhalten als die unkeuschen? 
Um wie viel mehr eine Jungfrau, der niemals die kleinste lüsterne 
Begierde beigekommen ist, die den Körper angreifen könnte? 
Ja, ich will_dir sogar sagen, dass eine solche Frische und Blüthe 
der Jugend, ausserdern dass sie auf diesem natürlichen Wege 
in Rom, wohin sie 174.9 gebracht wurde. Sie ist oft abgebildet und gehört zu 
den wenigen Werken, auf denen Michel Angelo seinen Namen: MICHEI. 
ANGELVS BONAROTVS. FLOREN. eingegraben hat. Die Veranlassung 
dazu erzählt Vasari (l. c. pag. 171). Michel Angele wollte seine Autorschaft 
jenen Mailandern gegenüber wahren, die sie dem Gobbo (Cristoforo Solari 
aus Mailand) zuschrieben. Copien der Pietä sind in Santa Maria di Anirna in 
Rom und S. Spirito in Florenz, beide von der Hand des Nanni di Baccio 
Bigio  ein Zeichen, wie geschätzt diese Picta im 16. Jahrhundert war. 
In Beziehung auf den Cardinal di S. Dionigi, genannt Cardinal Rovano, 
begeht Condivi (wie auch Vasari) denselben Irrthum. Der Cardinal di S. Dionigi 
und der Cardinal Rovano sind zwei verschiedene Personen. Der Cardinal di 
San Dionigi ist Jean de la Grolaye de Villers Franeois, Abt von S. Denis, 
Cardinal seit 1493, Gesandter Carl des VIII. von Frankreich, beim Papst 
Alexander VL, gestorben in Rom 1499. Der Cardinal Rovano ist der Cardinal 
von Amboise, zum Cardinal erhoben 1498. 
Die Pietä des Michel Angele wurde von Ersterem bestellt, und zwar 
für die Chiesa, oder besser Capella di S. Petronilla, einer Capelle der alten 
Peterskirche, die auch wegen einer von König Ludwig XI. vorgenommenen 
Restauration die Capelle der Könige von Frankreich genannt wurde und 
auf der Stelle eines alten Marstempels gestanden haben soll. Nachdem diese 
Capelle niedergerissen wurde, kam die Pietät in die sogenannte vecchia sagristia, 
auch Santa Maria della Febre genannt, und dort blieb sie bis 1749 (s. ll 
Vaticano discritto da E. Pistolesi, Roma 1829, fol., Tom. I, pag. 76, Note I).
        

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