Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben des Michelangelo Buonarroti
Person:
Condivi, Ascanio Eitelberger von Edelberg, Rudolf Valdek, Rudolph
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1410455
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1411072
BEN 
M I CHEL AN GELO BU ONARROTI. 
in seinem Hause einen Bacchus von I0 Palmen machen liess, 
dessen Gestalt und Aussehen in jeglichem Theile den Vorstellungen 
der alten Schriftsteller entspricht. Das Gesicht fröhlich und 
die Augen lüstern? und schielend, so wie sie diejenigen zu haben 
pflegen, die von der Liebe und dem .Weine über die Massen 
besessen sind. Er hat in der Rechten eine Schale, in der Art 
Eines, der trinken will, und betrachtete sie wie Einer, der an 
jenem Getränk seine Freude hat, von dem e_r der Erfinder gewesen 
ist, in Anbetracht dessen er das Haupt umgeben hat von einem 
Kranze aus Weinlaub. Auf dem linken Arme hat er ein Tiger- 
fell, ein Thier, das ihm geheiliget ist, als eines, das sich an der 
Rebe sehr erfreut; und er mochte dort klieber das Fell als das 
Thier, weil er andeuten wollte," dass, wer sich von dem Sinn 
und der Begierde nach jener Frucht und ihrem Safte hinreissen 
"lässt, dafür zuletzt auch das Leben einbüsst. Mit der Hand 
dieses Arrnes hält er eine Weintraube, die ein kleiner Satyr, der ihm 
zu Füssen angebracht ist, verstohlcn, froh und hurtig beschmaust; 
er scheint an die sieben Jahre alt, wie Bacchus achtzehn. Der 
besagte Herr Jacopo wollte auch, dass er einen Cupido mache, 
und das eine wie das andere dieser Werke sieht man heutigen 
Tages im Hause des Herrn Giuliano und des Herrn Paolö Galli,' 
höfliche und biedere Edelleute, mit denen Michel Angele stets 
vertraute Freundschaft gehalten hat. 
XX. Ein wenig später, auf Begehr des Cardinals von San 
Dionigi, genannt Cardinal Rovano, machte er aus einem Stück 
Marmor jene wunderbare Statue unserer lieben Frau, die sich 
heute in der Capelle der Madonna della Febbre 2 befindet; 0b- 
' Den Cupido, den Michel Angele für Jacopo Galli machte, erwähnt 
nuch' Vasari (1. c. pag. 169). Er kam von Florenz nach Rom, blieb auch 
lange Zeit in den Gärten von Valfonda, Eigenthum der Familie Riccardi, 
später des Marchese Giuseppe Strozzi. Dieser verkaufte die Figur an Herrn 
Gigli, und aus dessen Händen ging der Cupido in das Kensington-Museum 
über um den Preis von rooo Lire. Er ist abgebildet in "ltaiian Sculpture 
by Robinson", London 1862, Fol. Tafel 64, und beßndet sich im Gypsabguss 
im österreichischen Museum in Wien. Er ist aus demselben ldeenkreise 
hervorgegangen, wie der Bacchusfunmittelbar bevor Michel Angele Aufträge 
erhielt, die dem christlichen Cultus angehören. 
1 Die hier erwähnte Madonna (Pietä) Michel Angelds ist die be- 
rühmte Pietä, gegenwärtig in der Capelle der Canonici in der Peterskirche
        

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