Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben des Michelangelo Buonarroti
Person:
Condivi, Ascanio Eitelberger von Edelberg, Rudolf Valdek, Rudolph
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1410455
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1411995
LEICHENREDE DES B. 
VARCHI. 
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die man heute in der Capelle der Madonna delle Febbre be- 
wundert. Es sind dies zwei Bilder, das eine lebend (obwohl 
voll Trauer), das andere todt, und hat das eine in sich das 
Leben, das andere den Tod, wie Jeglicher sehen kann. Man 
glaubt die wahrhafte Jungfrau Maria und den wirklichen Christus 
in Fleisch und Bein zu schauen, oder wenigstens ihre Bild- 
nisse, nicht aus Marmor von sterblicher Hand gemacht, sondern 
auf göttliche Weise vom Paradiese herabgestiegen. Dennoch hat 
man nach allgemeiner Ansicht des Urtheil gefällt, dass Michel 
Angelo mit diesem Werke allein allen Bildhauern, sowohl antiken 
als modernen, vorausgeschritten sei, ebenso den Lateinern wie 
den Griechen, und vor Allen die höchste Palme davongetragen 
habe. Darum hat Alessandro Allori,l der jung an Jahren aber 
alt ist an Klugheit, und noch mehr, ein sehr würdiger Schüler 
seines mehr als grössten Meisters, nicht minder mehr als geist- 
reich auf diese Leinwand, welche sich über meinem Haupte be- 
findet, darauf er in vorzüglicher Weise (wie ihr seht), alle 
Bildhauer und Maler der alten und neuen Zeit gemalt hat, jenen 
Vers des Dante hingeschrieben! 
 "Alle bewunderten ihn, Alle zollten ihm Ehre". 
„Nachdem er ruhmbeladen und kaum in minderer Weise 
als im "Triumph nach Florenz zurückgekehrt war, meisselte er 
aus einem neun Ellen hohen Marmor, der wahrhaftig mehr 
geschändet als bloss übel skizzirt worden war, und, man kann 
so sagen, indem er einen Todten zum Leben erweckte, jenen 
David (gemeinhin der Gigante von der Piazza genannt"), den 
wir stündlich beim Aufgang der Rednertribüne sehen, vor dem 
l-laiuptportale des Palastes der grossmäichtigeia und erhabenen 
Signori, und heute des crlauchtesten und ausgezeichnetsten 
Herrn Herzogs Cosimo Medici. Wenn nun auch der häuhge 
Anblick verursacht, dass wir daraus kein so grosses Wunder 
machen, so ist das doch nicht darum, als wäre er nicht das 
schönste und erstaunliche Werk, das gemacht worden ist, ich 
sage nicht bisher, sondern, das tiberhatipt in der Bildhauerei 
1 Alessandro AI 
22. September 1607. 
Angelo ein Gemälde. 
lori, gen. 
Bronzino 
il Bronzino, geb. am 31.Mai r535, gest. am 
nmlte auch für die Lcichenfcicr des Michel
        

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