Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben des Michelangelo Buonarroti
Person:
Condivi, Ascanio Eitelberger von Edelberg, Rudolf Valdek, Rudolph
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1410455
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1411989
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LElCI-IENREIJE 
VARCHL 
noch schöner und wunderbarer, den er in Florenz gemacht 
hatte; er liegt und schlummert. Er wurde am passenden Orte 
vergraben und dann wieder herausgehoben, und zwar, wie 
durch Zufall, auf einer Vigne in Rom. Die vollendetsten Künstler 
hielten ihn für antik. Für antik wurde er von dem Cardinal 
di San Giorgio um zweihundert Goldgulden gekauft, und heute 
bewahrt ihn der ausgezeichnetste Herzog von Mantua unter den 
seltensten und theuersten Kleinoden, welche das erlauchteste Haus 
Gonzaga in seiner Garderobe besitzt." 
„Das Seltenste und Wunderbarste dann war ein Bacchus, 
welchen er (dem zufolge, was die allen Dichter von ihm berichten), 
beiläufig achtzehn Jahre alt, darstellte, aber weit über Lebens- 
grösse, und zwar für Jacopo Galli, einen sehr edlen und geist- 
vollen Edelmann in Rom. Dieser Bacchus hält in der Hand eine 
Schale, in der Luft erhoben, welche er aufmerksam und voll 
Verlangen mit schmachtenden Blicken ansieht, und schier voll 
Thränen, um sie ganz auszutrinken. In der linken Hand hält 
er ein geHecktes Fell von einem Tiger und mit den Fingerspitzen 
und jener des Daumens hält er schwebend eine reife Weintraube. 
Indessen sieht diese ein kleiner Satyr von heiterstem Anblicke, 
der ihm zu Füssen steht, wobei er allmälig, und schier als 
fürchtete er, von jenem gesehen zu werden, vorsichtig davon 
nascht. Man findet diese Statue, die sehr schön ist, sammt 
einem Liebesgott, den Michel Angelo für denselben M. Jacopo 
gemacht hat, zu Rom, im Hause des M. Giuliano und des 
M. Paolo Galli, sehr wohlanständiger Edelleute, die auch sehr gute 
Freunde des Michel Angelo gewesen. Diese Figuren kann 
Niemand so hoch preisen, dass es trotzdem nicht nur sehr 
wenig heissen wollte. Und als er sie aufdeckte, da hielten die 
meisten Sachverständigen dafür, dass Michel Angelo ohne 
Widerrede alle modernen Bildhauer hinter sich gelassen habe, 
und so sagten sie auch. Es dauerte nicht lange, dass M. Gu- 
glielmo Brissonetto , Cardinal von Rouen, bewogen durch 
Michel Angelds grossen Ruf, vor Begierde irgend eine Sculptur 
von dessen Hand zum Andenken zu besitzen, und zugleich für 
den christlichsten König, für den er mehr wie ein Bruder als wie 
ein Agent oder Gesandter in Rom verhandelte, es errang, dass 
Jener ihm aus einem einzigen Stück Marmor jene Pieta fertigte,
        

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