Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben des Michelangelo Buonarroti
Person:
Condivi, Ascanio Eitelberger von Edelberg, Rudolf Valdek, Rudolph
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1410455
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1411963
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EICHENREDE 
DES B. 
VARCHI. 
alle Gattungen Künstler begünstigte und unterstützte, insbesondere 
die Architekten, Bildhauer und Maler. Ihm lag es im Sinne (was 
später auch ausgegangen ist), dass die Horentinischen Talente 
Diejenigen sein sollten, WClChC alle jene Künste nicht allein ver- 
herrlichten, sondern deren höchste Vollendung wären. Damit sie 
nun grössere Bequemlichkeit zu ihren Uebungen hätten und um 
einen Nutzen zu erzielen, öffnete er ihnen seinen Garten auf dem 
Platze von S. Marco, gleichwie eine Schule und Akademie, wo 
sie unter der Aufsicht des Bildhauers Bertoldo, Welcher des 
Donatello Schüler gewesen war, mit grosser Gemächlichkeit nach 
den vielen und sehr schönen Antikaglien, mit denen der Garten 
gefüllt war, die Einen zeichnen, die Andern meisseln konnten, je 
nachdem es Jeglichem passender wäre. In diesem so beschatfenen 
Garten wurde Michel Angelo, der noch Knabe War, von Francesco 
Granacci eingeführt. Obwohl er nun erst im Jünglingsalter War, 
nicht mehr als sechszehn Jahre zählend, und niemals weder 
Spitzeisen noch Meissel angerührt hatte, entwarf er nichtsdesto- 
weniger aus einem Stück Marmor, welches ihm die Arbeiter 
überlassen hatten, um zu sehen, Was dieser Junge zu machen 
verstünde, den Kopf eines antiken Fauns, welcher mit offenem 
Munde zu lachen schien. Und er entwarf ihn nicht bloss, sondern 
verbesserte ihn so sehr in einigen Stücken, dass der Magnifico, 
welcher gleichsam wie ihr Meister oftmals hinging, um ihre 
Arbeiten nachzusehen, wobei er sie zur Tüchtigkeit ermunterte 
und anspornte, sich höchlich verwunderte. Und als Einer, der 
viel Urtheil besass und von einziger Klugheit war, erkannte er 
auf der Stelle die Grösse des Genius in jenem Knaben. Er liess 
ihn von dem Vater erbitten und Wollte, dass er von jenem Tage 
an sich in seinem Hause aufhalten sollte, und zog ihn, so lange 
er lebte, stets an seine Tafel. Er hatte angeordnet, dass ihm 
zu seinem Unterhalte monatlich fünf Goldgulden ausgezahlt 
Wurden. Indem er allen mit königlicher Freigebigkeit Lohn 
spendete, Weniger oder mehr, so Weiss ich nicht, soll ich ihn 
einen bürgerlichen König oder einen königlichen Bürger heissen. 
Einem so tretflichen und erhabenen Beginne entsprach auch 
eine noch bessere Mitte und ein vollkommener Ausgang. Indem 
sich Michel Angelo von dem grössten und weisesten Manne, der 
damals gewesen, und vielleicht nie Wieder War, ich sage nicht
        

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