Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben des Michelangelo Buonarroti
Person:
Condivi, Ascanio Eitelberger von Edelberg, Rudolf Valdek, Rudolph
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1410455
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1411891
IICHENREDE DES E. 
VARCHI. 
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geringere und in diesem Alter weniger merkwürdigere Sache, 
dass er, als ihm ein auf einer Tafel gemalter Kopf gegeben 
ward, um ihn nachzumachen, ihn so ähnlich darstellte, dass Keiner 
war, und selbst der Lehrherr nicht, der gemerkt hätte, welcher 
der Kopf wäre, der ihm zuerst vorgelegt worden war, und Jener, 
welcher die Nachbildung von seiner Hand sei. Und als er bald 
darauf diesen hübschen und geistreichen Scherz einigen seiner 
Freunde aufgedeckt hatte, wurde es nicht geglaubt, selbst Maler, 
die herbeigerufen wurden, um dieses Wunder zu schauen, wussten 
bei allem Fleiss, den sie daranwantlten, nicht zu unterscheiden, 
welches das Original und welches das Abbild sei." 
_„Michel Angele nahm an Alter und Tüchtigkeit, und in 
Folge dessen auch an Ruf zu, indem er jetzt malte, jetzt meisselte. 
jetzt sich mit Baukunst beschäftigte. Er gebrauchte in gleicher 
Weise den Pinsel, den Bildhauerhammer, die Bleiwage. Alle 
jene Zeit, welche er erübrigte oder sich abstehlen konnte, ins- 
besondere jene Stunden, welche die Mehrzahl der Anderen in 
tadelnswerther Weise oder thöricht zu verlieren pflegen, und beim 
Spiel oder Belustigung übel anwenden, gebrauchte er löblich, 
indem er sich auf den Schlaf verliess, und mit Essen oder 
Trinken, ausser was zur Erhaltung des Lebens erforderlich ist, 
nicht viel Sorge machte, und auf nützliche Weise, indem er 
die Prosaisten, aber vielmehr noch die toscanischen Dichter 
las, vor Allen insbesondere jedoch die Wundervolle Komödie 
des einzigen Poeten, des einzigen Astrologen, des einzigen 
Philosophen und (tun Alles in zwei Worten auszusprechen) des 
einzigen heidnischen Metaphysikers und einzigen christlichen 
Theologen, Dante Alighieri. Auch gebrauchte er der Zeit mit 
dem Aussinnen neuer Erfindungen und der göttlichsten Sentenzen 
oder Sonetten oder Madrigale über verschiedene Gegenstände, 
hauptsächlich aber über die keuscheste und ehrbarste Liebe, als 
Einer, der von edelster Beschaffenheit des Herzens, während er 
lebte, immerdar in den ehrbarsten und keuschesten Flammen 
brannte. Gar viele Male, und schier immer an den Feiertagen, 
ging er ganz allein, jetzt die geheimsten Mysterien der Kunst, 
jetzt die mystischen Geheimnisse der Natur betrachtend. Täglich 
übte er sich in der ausgesuchtesten Anatomie, sei es des Menschen 
oder aller andern Thiere, der Luft, des Meeres oder des Landes,
        

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