Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben des Michelangelo Buonarroti
Person:
Condivi, Ascanio Eitelberger von Edelberg, Rudolf Valdek, Rudolph
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1410455
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1411756
LEBEN DES MICHEL ANGELO BUONARROTI. 
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die Mühe und den Eifer des schon genannten Herrn Realdo 
davon befreit worden wäre. Er ist immer gut gefärbt gewesen 
im Gesichte, und sein Wuchs ist von der Art: er ist von mässigei- 
Leibesgrösse, breit in den Schultern, im Rest des Körpers, im 
Vcrhältniss zu diesen, eher schwach als stark. Die Gestalt jenes 
Theiles des Kopfes, der sich von vorn zeigt, ist von runder Form, 
in der Art, dass er über den Ohren mehr als den sechsten Theil 
einer Halbkugel bildet. So kommt es, dass die Schläfen etwas 
mehr hervorragen als die Ohren und die Ohren mehr als die 
Wangen, und diese mehr als das Uebrige, dermassen, dass man 
den Kopf im Verhältniss zum Gesicht gross nennen muss. Die 
Fronte ist von da aus gesehen viereckig, die Nase ein wenig 
gequetscht, nicht von Natur aus, sondern weil, als er ein Knabe 
war, ein gewisser Torrigiano de" Torrigianif ein bestialischer und 
hochmüthiger Mensch, ihm mit einem Faustschlag den Knorpel 
der Nase beinahe losmachte, so dass er für todt nach Hause 
getragen wurde, welcher Torrigiani jedoch, dafür aus Florenz 
verbannt, zu schlechtem Ende kam; übrigens steht diese Nase, 
S0 wie sie ist, im richtigen Verhältniss zur Stirne und zum 
Rest des Gesichtes. Die Lippen sind schmal, die untere aber 
etwas dicker, so dass sie, wenn man ihn von der Seite sieht, 
ein wenig hervorsteht, das Kinn stimmt gut zu den genannten 
Theilen. Die Stirne geht im Profil weiter vor als die Nase, und 
diese erschiene fast ganz eingedrückt, wenn sie nicht in der 
Mitte einen kleinen Buckel hätte. Die Augenbrauen haben 
wenig Haare, die Augen könnte man eher klein nennen als 
gross, von Hornfarbe, aber veränderlich und mit gelblichen 
und himmelblauen Flecken gesprenkelt, die Ohren richtig, die 
Haare schwarz und so auch der Bart, ausser dass in diesem seinem 
Alter von neunundsiebenzig Jahren die Haare reichlich mit grauen 
durchsetzt sind, und der Bart ist gegabelt, vier bis fünf Zoll 
lang, nicht sehr dicht, wie man zum Theil in seinem Bildniss 
sehen kann. Noch viele andere Dinge bleiben mir zu sagen 
übrig, die ich in der Hast, das herauszugeben, was nieder- 
1 Piero di Torrigiano d' Antonio, detto il Torrigiano, geb. 1472, den 
24- November, gest. 1522 (Vasari Vll, pag. 202), Michel Angelds Jugend- 
genossc. Die Veranlassung zu diesem Gewaltacte Torrigiands erzählt B. 
Cellini ausführlich in seinem Leben.
        

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