Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die niederländischen Schulen im herzoglichen Museum zu Braunschweig
Person:
Riegel, Herman Herzogliches Museum <Braunschweig>
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1208785
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1209297
Die vlänaische Schule: 
Jan Massys (9) 
Robusti genannt il Tintoretto aus. Dieser Name musste je- 
doch von dem Bilde entfernt werden, da es in der That durch 
eine sehr weite Kluft von den Werken des Tintoretto, die 
einen ganz bestimmten, nicht zu verkennenden Charakter haben, 
getrennt wird. Allerdings besitzt es augenfällige Eigenthüm- 
lichkeiten, welche das Studium der venezianischen Schule 
darthun, aber keinen einzigen Zug, der auf Jacopo Tintoretto 
besonders hinwiese. Das ganze übrige Gepräge des Werkes 
jedoch ist vlamisch und weist auf einen Meister hin, welcher 
den vlärnischen Akademikern in der zweiten Hälfte des sechs- 
zehnten Jahrhunderts angehörte. 
Schon der Gegenstand ist ein zu jener Zeit in den Nieder- 
landen beliebterl) und die Auffassung desselben ist eine durch- 
aus typisch-niederländische, die von der italienischen Auffassung 
solchen Gegenstandes sehr verschieden ist. Ferner sind die 
Typen besonders der weiblichen Köpfe echt vlämisch, und 
ebenso weisen die Farben, besonders die trockenen Töne ver- 
schiedener Stoffe und Kleider auf einzelne bezeichnende Er- 
scheinungen der vlärnischen Schule deutlich hin. Kein Zweifel 
kann es sein, dass das Werk der Gruppe von Malern angehört, 
die zwischen Barend van Orley und Otto Venius stehen, 
die, bei Festhaltung unverkennbarer HlCClCIläDCllSCDCT Charakter- 
züge, im Grossen und Ganzen den Italienern nachstreben. 
Während dieses Streben im Allgemeinen aber sich an Rafael, 
dessen Schule und die italienischen Akademiker lehnt, zeigt 
das vorliegende Werk ein bedeutsames Eingehen auf die vene- 
zianische Schule. Diese Anknüpfung an die Venezianer bildet 
aber eine Ausnahme in der Schule der niederländischen Akade- 
miker; sie ist gewissermasseneiner vorausgehenden Hindeutung. 
im geschichtlichen Sinne, auf das spätere Studium dieser Schule 
zu vergleichen, wie es von Rubens und van Dyck so tief und 
erfolgreich betrieben wurde. Ausserdem aber weicht das Bild 
von den Werken der vlämischen Akademiker im Allgemeinen 
dadurch ab, dass es in echt niederländischer Gesinnung auf 
eine Idealisirung verzichtet, und die Gestalten in jener Fülle 
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