Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abhandlungen und Forschungen zur niederländischen Kunstgeschichte
Person:
Riegel, Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1205002
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1205997
Das Bildniss in barocker 
Einkleidung. 
Die neutestamentl 
Darstellungen. 
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Frieden beziehen, im städtischen Museum zu Leyden 
(N0. 137113), sind in ihrer Unbeholfenheit und Geschmack- 
losigkeit lehrreich. Besonders merkwürdig erscheint das Bild 
des Krieges, der die Freiheit vertreibt und dadurch auch Kunst, 
Wissenschaft und Handel verscheucht, (N0. 1371); die naive 
Rohheit wirkt hier geradezu erheiternd. 
Auch das Bildniss Ward durch diese Liebhaberei zu 
barockem und allegorischem Aufputz beeinflusst. Beim Einzel- 
bildniss begnügte man sich allerdings meist mit der Hinzu- 
fügung römischer Tracht, wie das eine Menge Bilder von 
B01, Maes, und vielen Andern und eine Menge Kupferstiche 
nach solchen Bildern und Zeichnungen darthun. Aber das 
Gruppenbildniss bot bisweilen Gelegenheit zu den fabelhaftesten 
Einkleidungen. Man sehe z. B. das „Familienbildniss" des 
Salomon de Bray in Hampton-Court (N0. 66), Wo er sich 
und seine ehrsame Hausfrau Anna, geborene Westerbaen, als 
Antonius und Cleopatra, letzere sogar im Begriff die Perle im 
Essig aufzulösen, dargestellt hatl), und überzeuge sich, bis zu 
welcher barocken Abgeschmacktheit selbst das Bildniss, dieser 
Stolz der holländischen Kunst, entarten konnte. Und dabei 
sind solche Werke meist noch ganz ernst gemeint und durch- 
aus tüchtig gemalt. Weiter hat sich die holländische Malerei 
nirgends vom Boden (ihrer eigenen Natur, wo sie stark und 
herrlich War, entfernt als hier! Nirgends ist sie Weniger sie 
selbst als hier. 
Die neutestamentlichen Darstellungen, besonders die 
Rembrandts, sind das gerade Gegentheil dieser barocken Ver- 
suche, denn sie beruhen ganz auf jenem nationalen Boden. Im 
Gegensatz zu der älteren Kirchenmalerei und der katholischen 
1) Ob das Bild von Salomon, der bereits 1664 starb und nicht 
vielmehr von dessen ältestem Sohne 'Jan de Bray, der erst 1697 
starb, herrührt, muss hier dahin gestellt bleiben, doch möchte das 
letztere wahrscheinlich sein. In diesem Falle hiesse dann die 
Perlen-auflösende Cleopatra entweder Maria geborene van Hees 
Oder Margarethe geborene Mayer oder Victoria geborene van der 
Wiele, denn Jan de Bray war dreimal verheirathet. Vergl. Willigen, 
LeS artistes de Haarlem etc. S. 91 H".
        

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