Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abhandlungen und Forschungen zur niederländischen Kunstgeschichte
Person:
Riegel, Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1205002
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1205939
Vollendung der Bildnissmalerei. Rembrandt. 67 
Utrecht (1512-1581) wandeln. Neben der ernsten, sichern und 
charaktervollen Ptuffassting zeigt sich die Behandlungsweise 
nach der koloristischen Richtung vorgeschritten, irldem sie 
breiter gehalten ist und die Schatten schon bisweilen mehr 
in einem Warmen Braun angelegt sind. Allerdings gilt dies 
vorzugsweise von den späteren Werken Morls, für Welche 
das Bildniss des Hubert Goltzius von 1576 in Brüssel (N0. 247) 
ein ausgezeichnetes Beispiel ist; doch auch die früheren Werke 
lassen seine künstlerische Richtung nicht verkennen. 
In Mierevelt und Ravesteyn erreicht nun diese Rich- 
tung ihren ersten Höhepunkt, der mit der Glanzzeit in der Ge- 
schichte Hollands eng verknüpft ist. Franz Hals, der grosse 
Meister des Bildnisses, bezeichnet dann den nächsten Höhe- 
punkt, und in Rembrandt Findet diese Richtung ihre 
Vollendung, wie die holländische Kunst überhaupt in ihm 
ihre schönste Blüthe erreicht. 
Diese Vollendung des Bildnisses durch Rembran dt besteht 
in der erschöpfenden charakteristischen Atiffassting jeder Indi- 
vidualität nach ihrer Art, sowie in dem höchsten Grad von 
geschlossener Stimmung der Malerei in Hinsicht von Licht, 
Ton und Farbe. Eines der glänzendsteit Denkmäler dieser 
Art ist ohne Frage das Bildniss des "Mathematikers" in Kassel 
(N0. 350). Das ist der denkende Ingenieur, der überlegt, um 
dann zu schreiben! Pläne und Schreibzeug liegen und stehen 
auf dem Tisch; die rechte Hand hält die Feder, die linke lässt 
das YVinkelmaass auf dem Schenkel ruhen. Und im Gesicht 
ist der Ausdruck des arbeitenden Geistes tinübertredlich dar- 
gelegt. Dazu die Reize der Malerei, die sich mit Worten nicht 
schildern lassen! 
Wie sehr aber der Künstler auf jeden Charakter, ja auf 
jede Stimmung einer und derselben Individualität einzugehen 
vermochte, lehrt Nichts so schlagend, wie die Folge der zahl- 
reichen Selbstbildnisse Rembrandüs in Oelmalerei wie in 
Kupferstich. Immer ist er da ein Anderer, je nach der Stim- 
mung, die ihn beherrschte; bald ist er zufrieden, fröhlich, heiter 
und ausgelassen, bald ernst, düster, traurig und gedrückt. Den 
leisesten Stimmungen seiner Natur ging er nach, und mit der 
feinsten künstlerischen Emplindung brachte er sie in all" ihrer 
5:1: 

        

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