Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abhandlungen und Forschungen zur niederländischen Kunstgeschichte
Person:
Riegel, Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1205002
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1205918
igenschaften der 
nation: 
len Malerei 
n Holland. 
bethätigt, aber im Bunde mit einer ebenso sichern als schlichten 
Auffassung, mit einem geschickten Vortrage und einem seltenen 
Sinne für malerische Behandlung, der selbst schon in den 
Kupferstichen bisweilen glänzend sich bewvährt hat. Vor Nichts 
was wahr und wirklich war, zog sich d_ieser Realismus zurück: 
mancher jener Helden erscheint in seiner schweren, meist 
unverzierten Rüstung oft recht unförmig, aber er erscheint, 
wie er leibte und lebte. Und wenn er von Natur hässlich war, 
ist er es im Bilde auch. Diese streng realistische Richtung 
war im Wesen der Holländer als die eigentlich nationale 
begründet, und eben darum war sie so lebensfähig und von 
so grossen Erfolgen begleitet. 
Und ebenfalls in Hinsicht des Vortrages stehen diese 
Werke ganz auf nationalem Boden. Die Malerei sucht hier 
ihre Stärke nicht in einer Mannigfaltigkeit verschiedener und 
bestimmter Farben, sondern in einer mehr einförmigen, dunkeln 
Stimmung des Ganzen, welche allerdings durch die Tracht 
selbst zunächst bedingt und begünstigt war. Aber die Holländer 
haben niemals sich durch die Malerei mit bunten Farben aus- 
gezeichnet. Da fehlte allzu oft die Harmonie. Zwar hat der 
holländische Volksstamm noch heute eine starke Neigung zu 
bunten Farben, aber er bedient sich ihrer ohne Geschmack, 
wie man an dem Sonntagsputz der Weiber aus ländlichem 
und kleinbürgerlichem Stande sattsam sehen kann. Vor dieser 
Buntheit, welche auch der älteren Malerei, sowie manchen 
Werken der Akademiker und selbst noch einzelnen der un- 
mittelbaren Vorgänger Rembrandfs eigen war, mochte doch 
im Grossen und Ganzen das künstlerische Auge der Meister 
vom Anfange des siebzehnteti Jahrhunderts zurückschrecken, 
während es zugleich überall, wohin es um sich blickte, jenes 
eigenthümliche Spiel von Licht und Schatten, jene reizvollen 
Erscheinungen des Helldunkels tvahrnahm, welche Landschaft 
und Binnenhaus in Holland so reichlich bieten. Diese zaube- 
rischen Erscheinungen zu sehen, zu empfinden und male- 
risch wiederzugeben, war die eigenthümlichste Fähigkeit der 
holländischen Schule, und in dieser vollendeten Wiedergabe 
besteht ihre eigentliche und höchste Poesie. Jene Meister aber 
und namentlich auch schon Cornelius von Haarlem strebten 
Riegel 1. 5
        

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