Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abhandlungen und Forschungen zur niederländischen Kunstgeschichte
Person:
Riegel, Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1205002
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1205853
Die Malerei. Geertgen te Sint Jans. S9 
Thatigkeit auf dem Gebiete beider Künste, namentlich der 
Baukunst, deren bewunderungswürdige Denkmäler uns noch 
jetzt fast aller Orten in Flandern und Brabant entgegentreten. 
Sie sind von den Baudenkmälern in Nordniederland so ver- 
schieden, wie die vlämische Landschaft von der holländischen 
verschieden ist. 
Die Eigenart der Holländer, im Gegensatz zu den übrigen 
niederländischen Stämmen, zeigt sich auch deutlich, wenn man 
auf die frühere Malerei eingeht. Nicht bloss in den Werken 
der allgemein bekannten Meister Cornelius Engelbrechtsen 
und Lukas von Leyden zu Anfang des sechszehnten Jahr- 
hunderts ist sie klar ausgesprochen, sondern sie tritt bereits 
im fünfzehnten Jahrhundert sehr bezeichnend und bestimmt 
in andern Werken, namentlich in den Gemälden des Geert- 
gen te Sint Jans von Haarlem auf. Dieser, leider schon in 
jungen Jahren verstorbene Künstler ist Wenig bekannt  aber 
seine beiden grossen Bilder im Belvedere zu Wien (II. Stock. 
lI. N0. 58 u. 60), eine „Trauer um den Leichnam Christi" und 
eine "Verbrennung der Gebeine Johannes des Tätifers", welche 
die Grundlage zur Beurtheilung seiner Kunst bilden, lassen 
ihn als einen ganz hervorragenden Meister, als einen bedeut- 
samen Vorgänger des Lukas von Leyden erkennen und lassen 
es begreiflich erscheinen, dass Dürer, wie berichtet wird, von 
ihm gesagt hat: „Wahrlich, er ist ein Maler schon im Mutter- 
leibe gewesenPW) Auf dem Boden der Handrischen Schule 
hat er sich eigenthtirnlich-entwickelt, sowohl hinsichtlich der 
Farbe, die stumpfer und weniger einheitlich in der Gesammt- 
haltung ist, wie auch in Styl und Zeichnung, die weniger 
edel und in den Köpfen sehr mannigfach charakteristisch 
nach der Wirklichkeit gehalten sind. Diese Eigenschaften be- 
zeichnen auch die Art jener beiden Hauptmeister, die auf 
Geertgen folgten: ein entschiedener Realismus, der für formale 
SChönheit keinen, aber für trelfende Charakteristik einen sehr 
starken Sinn, dabei aber nur ein noch geringes Gefühl für 
m 
1) Nach Karel van Mander (Blatt Izgb) ist er etwa 
geworden. 
2) Ampzing, Beschr. van Haerlem. Haerlem 1628. 
28 Jahre alt 
S. 347.
        

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