Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abhandlungen und Forschungen zur niederländischen Kunstgeschichte
Person:
Riegel, Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1205002
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1205760
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freie Realismus angebahnt, der in Rubens so wunderbar zur 
Erscheinung kam. Aber diese realistische Schule, die schon in 
den ersten Werken des Rubens selbst ein Streben nach 
Mässigung und Maass durch Beachtung der klassischen Vor- 
bilder darlegte, konnte sich vor den Ausschreitungen ihrer 
eigenen Richtung nur dadurch retten, dass sie mit Absicht und 
Nachdruck zu erneuten akademischen Studien zurückkehrte. 
Und das gleiche geschah in Nordniederland, wo ebenfalls die 
Malerei von den Akademikern sich lossagte, zum vollendeten 
'Realismus sich entfaltete und dann zum akademischen Studium 
zurückkehrte. Aehnlich den Schwingungen eines Pendels be- 
bewegte sich also die Entwickelung der niederländischen Kunst 
zwischen den stylistischen und realistischen Grundsätzen hin 
und her, und sie setzte diese Bewegung auch noch weiter bis 
in unsere Tage fort. Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts 
war sie im wesentlichen blosse Nachahmerei der Meister des 
siebzehnten Jahrhunderts, besonders der holländischen Kabinets- 
maler geworden, aber sie suchte nun die klassischen Vorbilder 
wieder auf und entwickelte eine neue akademische Schule, die 
allerdings nüchtern und schematisch in der Art Fügers blieb, 
die aber doch ihre Herrschaft bis nach der neuen Trennung 
von Nord- und Südniederland und der Errichtung des bel- 
gischen Staates behauptete. Dieses neue Belgien aber verwarf 
die altgewordene akademische Kunstweise und schrieb von 
neuem die realistischen Grundsätze auf seine Fahne: mit 
welchem Erfolge, weiss alle Welt. Will man diese Bewe- 
gungen nicht mit Pendelschwingungen vergleichen, so wird 
man in ihnen doch ein Gesetz des Kreislaufes erkennen müssen, 
nach welchem die belebende Kraft bald hier, bald dort in ihrer 
Stärke sich zeigt, nach welchem die leitenden Grundsätze der 
Kunstübung von den klassischen Vorbildern zur Natur über- 
gehen und wiederum von der naturalistischen Verwilderung 
zur Klassizität zurückkehren. Gegen die Herrschaft dieses 
Gesetzes, dem auch der Genius harmonisch sich einfügt, ver- 
mag die vorzeitige Einsicht des Einzelnen nichts auszurichten. 
Er ist und bleibt in seine Zeit gebannt, und er kann darüber 
nicht hinaus. Es mag eine drückende Erkenntniss sein, dass der
        

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