Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abhandlungen und Forschungen zur niederländischen Kunstgeschichte
Person:
Riegel, Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1205002
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1205718
Naturalistische Gegenwirkung. 
Adam van Noort. 
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erfolgreiche Weise. Schon die Akademiker Ühatten die Kraft 
dieses Kunstgeistes betvährt, wenn sie durch bestimmte Auf- 
gaben, wie namentlich durch Aufträge zu Bildnissen, unmittelbar 
vor die Wirklichkeit gestellt waren. Diese Macht der Wirklich- 
keit war auf sie stets von solchem Einflusse gewesen, dass sie 
in ihren derartigen Werken das Akademische meist ganz und 
gar abstreiften, und dass selbst ein Manierist wie Cornelius 
von Haarlem in seinen Bildnissen wahr und gesund erscheint. 
Diese unmittelbare Beziehung zur Wirklichkeit, zu Natur und 
Leben, wie sie neben den akademischen Bestrebungen als 
etwas ganz natürliches still herging, bethätigte ihre selbständige 
und bestimmende Lebensfähigkeit in dem Augenblicke, wo 
die akademische Richtung ihren Mangel an weiterer Lebens- 
fähigkeit dargethan hatte. Es war nur ein Schritt nöthig, um 
bei bewusster Verläugnung der akademischen Formen den 
engsten Anschluss an die Wirklichkeit zum leitenderl Grund- 
satze zu erheben. Diesen Schritt that Adam van Noort, 
nachdem schon einige ältere Meister, wie z. B. G. Congnet 
der ältere (1540-1599), von dem man Arbeiten im Mu- 
seum zu Antwerpen (N0. 35l6) sieht, denselben unmittelbar 
vorbereitet hatten. 
Die Werke aus denen man Adam van Noort kennen 
lernen kann, sind nicht mehr zahlreich. In erster Linie wird 
man sich immer an das grosse Gemälde der "Berufung Petri" 
in der Jakobskirche zu Antwerpen halten müssen, welches als 
sein Hauptwerk anzusehen ist. Es ist ein Werk von entschie- 
den naturalistischem Charakter; aber einige akademische An- 
klänge verrathen doch den Boden, auf welchem der Meister 
sich erhob. Das Museum zu Brüssel besitzt ein Bild von ihm, 
einen „Christus mit den Kindlein" (No.'258), wo er noch ganz 
auf diesem Boden steht, WO man ihn unter der Herrschaft des 
italienischen Einflusses sieht, aber zugleich die grosse Aeusser- 
lichkeit in der Beseelung und im Ausdruck wahrnimmt. Diese 
Unmöglichkeit, sich in dem herrschenden Styl noch -innerlich 
und wahr auszusprechen, mag Adam van Noort auf die natu- 
ralistischen Bahnen gedrängt haben, die er, im Besitz einer 
durchaus fertigen, meisterhaften und selbständigen Technik, 
W18 das erstgenannte Bild lehrt, mit Erfolg inne hielt. Die
        

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