Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abhandlungen und Forschungen zur niederländischen Kunstgeschichte
Person:
Riegel, Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1205002
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1205599
Zustand 
1600. 
nd schaftsmalerei 
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Inanieristischen Ausschreitungen der ganzen Richtung; er ist 
da äusserst übertreibend und unwahr. 
S0 war der Stand der Dinge etwa gegen und um das 
Jahr 1600 in beiden Zweigen der niederländischen Malerei so 
ziemlich derselbe: die akademische Richtung war in einen 
starken Manierismus übergegangen. In Holland nun half sich, 
wenn man so sagen darf, die Natur selbst. Es standen dort, be- 
günstigt durch die geschichtlichen Ereignisse, Maler auf, welche 
alles Akademische bis auf die letzte Spur mit aller Entschieden- 
heit von sich wiesen und, ihrem eigensten Triebe folgend, 
ganz neue gesunde Bahnen betraten, indem sie sich ausschliess- 
lich an die Natur und die Wirklichkeit hielten. In Brabant 
aber entwickelten sich die Dinge nicht so einfach. 
Ehe wir versuchen wollen dies darzulegen, scheint es an- 
gemessen, einen Blick auf einen besonderen Zweig der Malerei 
zu werfen. Mehrfach schon deuteten wir an oder sagten, dass 
in beiden Schulen eine starke Gesundheit sich zeige, sobald 
der Künstler unmittelbar der Natur gegenüber gestellt war, in 
einer Weise, die keinerlei Aufforderung zur Stylisirung oder 
etwas dem Aehnlichen enthielt. Darum sind die Bildnisse nach 
dem Leben, die Darstellungen des Volkslebens so wahr und 
oft so gediegen und trefflich. Aber auch für die Land- 
schaftsmalerei, welche gerade durch die Künstler dieser 
Zeit zu einer selbständigen Bedeutung erhoben wurde, erwuchsen 
aus diesen Umständen grosse Vortheile. 
Die landschaftlichen Gründe, welche in der Eyckschen 
Schule an Stelle des alt überlieferten Goldgrundes feine so 
ausgezeichnete Ausbildung erhalten hatten, empfingen nicht 
selten seit Anfang des sechszehnten Jahrhunderts ein bedeutendes 
Uebergewicht, derart dass der figürliche Theil des Bildes bis- 
weilen nur die Staffirung der Landschaft wurde. Aber die 
Gegenstände dieses figürlichen Theiles wurden noch geraume 
Zeit der heiligen Geschichte entnommen, bis endlich auch hier 
allmälich eine Aenderung eintrat und die Landschaft durch 
Loslösung von den heiligen Gegenständen ganzselbständig 
gemacht wurde. Jedoch zeigte sich die Phantasie, in der Auf- 
fassung der Natur, noch erfüllt von den romantischen Vor- 
stelllänlgen des Mittelalters: zerrissene Felsen, wilde Höhlen, 
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