Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abhandlungen und Forschungen zur niederländischen Kunstgeschichte
Person:
Riegel, Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1205002
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1205579
Akadem 
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land. 
allein von Cornelius von Haarlem ein grösseres Gemälde und 
vier kleinere Stücke besitzt. Die Betrachtung der Werke die- 
ser drei Meister und ihrer Weniger hervorragenden Genossen 
lehrt deutlich und klar, dass der ideale Styl zu der künst- 
lerischen Natur der Holländer nicht passte, dass diese die 
akademische Kunstweise nicht innerlich und wahrhaft ver- 
standen; und wenn man auch bedeutende Eigenschaften und 
manche Vorzüge, wie namentlich eine lebendige Phantasie, 
eine unerschöpfliche Eriindungsgabe, hohe Ziele, eine tüchtige 
Gestaltungskraft, einen unermüdlichen Fleiss, ein grosses 
Können, und eine im Einzelnen bisweilen ausgezeichnete 
F arbenbehandlung anerkennen muss, so sind diese nicht stark 
genug, um jenem hochmanieristischen Charakter die Waage 
zu halten. Es mangelt dem Streben nach Styl das reine Styl- 
gefühl, dem nach Schönheit der wahre Schönheitssinn. Wollte 
man einen beliebten Ausdruck gebrauchen, so müsste man 
sagen, es habe der Geschmack gefehlt. Immerhin aber erkennt 
man an diesen Denkmälern, trotz der manieristischen Ueber- 
treibung und Ausartung, trotz des Mangels an Sfylgefühl und 
Schönheitssinn die ungeheure Förderung, welche diese Rich- 
tung auch der nordniederländischen Malerei verschafft hatte. 
Welch, ein Fortschritt des Wissens und Könnens, des Auf- 
fassens und Darstellens gegenüber den älteren Meistern! Zu- 
gleich aber lassen diese Werke auch jenes Element schon 
erkennen, in welchem die holländische Malerei, neben dem 
treffender Charakteristik, später so stark war, das Element der 
mannigfaltigsten und bedeutendsten Schatten- und Farben- 
behandlung. 
In grossen Werken tritt einem die ganze Richtungauf 
holländischem Boden nirgends besser und vortheilhafter ent- 
gegen, als in den berühmten Glasgemälden der Kirche zu 
Gouda. Zwar erreichen dieselben diejenigen von St. Gudula 
in Brüssel weder in der Farbenwirkung noch in der Schönheit 
der Kompositionen, aber dennoch sind Zeichnung und Ausdruck 
meist gut, und die manieristischen Ausschreitungen stören 
Weniger; sie sind desshalb ein Hauptdenkmal des herrschenden 
italienischen Styles in Nordniederland. Sie Wurden seit 1555 
meist durch die Brüder Crabeth, theils nach eigenen Kar-
        

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