Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abhandlungen und Forschungen zur niederländischen Kunstgeschichte
Person:
Riegel, Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1205002
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1205559
Bart] 
S Pranger 
is van Valckenborclu. 
Finsoni 
feinerung und Lüsternheit der Form in Gesuchtheit, Verzerrung 
und Entartung überging. Er bewegt sich mit Behagen und 
Sicherheit auf diesem unwahren Boden, zu dem er jedoch sich 
mit Offenheit und Wahrheit bekennt. Leichtfertigkeit ist das 
Zeichen dieser Art von Kunst, Aeusserlichkeit und Absichtlich- 
keit sind die bewegenden Kräfte. Zwar hat seine „Susanna 
vor Daniel" in Brüssel (No. 4.46) noch nichts von diesen 
späteren Ausschreitungen, die man am besten an seinen zahle 
reichen Werken in Wien Wahrnehmen kann; sie zeigt ihn 
vielmehr noch auf demselben Boden wie Martin de Vos, aber 
sie lehrt hierdurch eben, von wo Spranger ausgegangen und 
wohin er, angesichts seiner übrigen Werke, gelangt ist. 
Andere Maler, neben und mit ihm, verfolgten dieselben 
Wege, und gelangten zum Theil zu einer noch grösseren 
Entartung, zu einer noch weiteren Abirrung von Natur und 
Wahrheit. Als ein bezeichnendes Beispiel dieser Art kann 
„die Niederlage Sanherilis" von Gilis van Valckenborch 
in Braunschweig (No. 421) dienen. In diesem, Künstler war 
die akademische Schule in den südlichen Niederlanden bis an 
ihre äusserste Grenze gelangt, und wenn die Malerei nicht 
gänzlich untergehen sollte, so musste etwas Entscheidendes 
geschehen. 
Einzelne Meister suchten sich dadurch zu retten, dass sie 
sich den Naturalisten Italien's, die sich lebenskräftiger erhalten 
hatten als die dortigen Akademiker, ohne Weiteres anschlossen, 
wie dies mit hervorragendem Erfolge Lodewijk Finson 
(1580-1632), der meist Ludovicus Finsonius genannt wird, 
aus Brügge that. Aber gerade er hatte sich auch seiner Hei- 
math gänzlich entzogen und sich kunstgeschichtlich ganz und 
gar zu jener Schule Italien's selbst gestellt. Er starb zu Arles, 
in dessen Dome sich auch sein Hauptwerk, die „Steinigung des 
Stephanus" befindet. 1) Ein ähnliches Schicksal würden wohl 
auch andere Künstler gehabt haben, die da glaubten durch 
unmittelbaren Anschluss an die naturalistische Schule Italien's 
m 
1) Chenneviäre-Pointel, Rech. s. 1. vie de quelques peintres pro- 
vinciaux. Paris 1847. I. S. 1-40.  A. Michiels, L'art Hamand dans 
Pest et le midi d. l. France. Paris 1877. S. 453-474.
        

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