Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abhandlungen und Forschungen zur niederländischen Kunstgeschichte
Person:
Riegel, Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1205002
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1205543
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Der geschichtliche Gang der niederländischen Malerei im sechszehnten Jahrh. 
Vertrag vom Jahre 1576" (N0. 20)  lassen eine gewisse Ueber- 
einstirnmung mit der Art gleichzeitiger Nordniederländer. 
namentlich im Charakter der Farben mit den bessern Stücken 
des Heemskerk erkennen?) 
Als ein sehr tüchtiger Künstler erscheint Adriaen Key 
(1544?-159o?) auf den zu Antwerpen befindlichen Altarflügeln 
mit der Darstellung des "Abendmahls" und der Familie des 
Stifters von 1575, jedoch mehr in Hinsicht des Charakteristischen 
als des Stylistischen. Das Idealisiren der Formen und Typen 
will ihm nicht recht zu Sinne, seine Gewandmotive haben 
etwas Kleinliches, und seine Köpfe lehnen sich unmittelbar an 
charakteristische Erscheinungen der Wirklichkeit; ja selbst der 
Kopf des Christus ist nicht ein Idealtypus nach der Art 
Leonardols und RafaePs, sondern der Kopf eines schönen 
Juden, wozu der Maler das Studium ohne Zweifel nach einem 
lebenden Vorbilde gemacht hat. Die Darstellungen der Fa- 
milienglieder des Stifters dürfen als ganz vorzügliche Bildnisse 
im Sinne jener Zeit gelten, und so sieht man denn bei diesem 
Meister ein Nachlassen der akademischen Bestrebungen und 
ein kräftigeres Hervortreten realistischer Neigungen. In diesem 
Sinne kann Key, zumal er auch in der Färbung hellere, wohl- 
stimmende Töne liebt, als ein Vorgänger des Cornelitts de 
Vos angesehen werden. 
Während so in Key und einigen anderen Antwerpener 
Meistern die Rückkehr zu dem eigentlichen Kunstgeist der 
Niederlande, die Umkehr zu einer realistischen Kunstrichtung 
sich ankündigte, zeigten andere Künstler der vlämischen Schule 
eine manieristische Ausartung, eine Uebertreibung der Form, 
die jedern unbefangenen Gefühl auffällig und unangenehm sein 
musste und die desshalb der Förderung jener Richtung nur 
in die Hände arbeiten konnte. Das Haupt dieser Manieristen 
der vlämischen Schule ist Bartholomätis Spranger (1546- 
nach 1604). Er zeigt den engsten Anschluss an den italienischen 
Manierismus, wie er nach der Richtung der Zierlichkeit, Ver- 
1) Wegen der Bedeutung der „A11egorie" vergl. W eale, Cat. de 
Pacadämie etc. S. 4.5 HI; ders., Bruges et ses environs etc. S. 74 ff 
und Kramm. I. S. 236. 
        

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