Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abhandlungen und Forschungen zur niederländischen Kunstgeschichte
Person:
Riegel, Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1205002
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1208673
Das Wesen der Rubensfschen Kunst. 
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die bisweilen ins Barocke umschlägt, die Lust an Kraft und 
Masse und damit zusammenhängend die Ueberfülle der Ge- 
stalten an Fleisch und Form, die Gleichartigkeit der Typen in 
Gestalten und Köpfen und Aehnliches mehr. In allen diesen 
Stücken ist Rubens der Sohn seiner Zeit, die nicht mehr die 
Zeit der klassischen Kunst war, ist er der vlämische Nieder- 
länder, den nicht die, auch von ihm so hoch bewunderte 
Schönheit des alten Hellas umgab. Hiermit muss gerechnet 
werden, wenn man Rubens geschichtlich und folglich gerecht 
beurtheileti will. Dann wird man aber auch um so eher und 
um so höher seine Grösse schätzen, und die Meisterwerke 
seiner Hand als etwas anerkennen, das cbensowenig seines 
Gleichen hat, wie die Antike, wie Rafael, wie Dürer, wie 
Michelangelo, wie Tizian, wie Rembrandt, wie Cornelius. 
Diese Meisterwerke sind von der gleichen Genialität getragen 
und gesättigt, ob sie nun eine heilige Familie oder eine Ama- 
zonenschlacht, ein Bildniss" oder eine Landschaft, oder was 
sonst immer darstellen. Immer fesseln sie fort und fort, und 
immer von Neuem setzen sie in Staunen. Denn die grösseste 
Sicherheit und Meisterschaft in allen Mitteln der Malerei sehen 
wir da, beseelt durch einen mächtigen Geist, der Alles durch- 
dringt und Alles bis in den letzten und feinsten Pinselstrich 
hinein lebendig macht. Dieser belebende Geist verleiht selbst 
da einen untviderstehlicheti Reiz, wo der Gedanke barock oder 
vielleicht gar abgeschtnttckt ist, oder wo Formengebung und 
Zeichnung hinsichtlich der Attffassung der Natur gewöhnlich 
erscheinen. Diese leuchtende Farbe, dies blühende Leben, diese 
Fülle des Daseins sind so gross, dass man im Anschauen 
solcher Werke meinen möchte, jene Eigenschaften seien nie- 
mals wieder von irgend einem andern Maler erreicht worden, 
und dass man völlig den, dem Guido Reni zugeschriebenen 
Ausruf versteht: „Mischt dieser Maler Blut in seine Farben!" 1) 
Und dieselben sind so kraftvoll und eigenartig, dass man 
Rubens mit keinem andern Künstler zutreffend vergleichen 
kann, dass eben seine vollkommensten Werke in ihrer Art 
einzig sind undjzugleich ebenbürtig neben den Meisterwerken 
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van 
Histoire de 
Hasselt, 
Rubens. 
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