Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abhandlungen und Forschungen zur niederländischen Kunstgeschichte
Person:
Riegel, Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1205002
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1208651
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1d des Künstlers Gcsinnu 
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339 
nur dieses eine klägliche Trostmittel hinzu, dass wir in Zeiten 
leben, wo das Leben, gleich wie dem Schwimmer das Schwim- 
men, um so leichter ist, je weniger Gepäck man mit sich 
führtf") Das heisst wahrlich nicht jesuitisch, nicht kirchlich, 
ia kaum religiös gesprochen?) Ich ziehe hier keine weiteren 
Schlussfolgerungen, als die, dass ein Künstler von dieser 
Denkungsart iene Gegenstände nur als poetischen und künst- 
lerischen Stoff ansehen und behandeln konnte, und dass er sie, 
wie er es that, auffasste, um denselben und der Bestimmung 
der Gemälde als Altarbildern gleichermassen gerecht zu werden. 
Aehnlich verhält es sich mit den Grässlichkeiteti, die 
man in Rubensschen Bildern nicht selten sieht. Auf einer 
Darstellung des „Martyriums vom heiligen Livinus" z. B., die 
sich im Museum zu Brüssel (No. 29x) befindet, hält einer der 
Henker die blutige Zunge des Heiligen, die er eben heraus- 
gerissen hat, sogleich einem Hunde vor. Oder auf dem 
"Martyrium des Heiligen Justus", Welches man im Museum zu 
Bordeaux (No. 385) sieht, ist der Kopf abgeschlagen, und der 
geköpfte Heilige hält ihn selbst mit seinen beiden Händen, wie 
ein Zeichen seines Martyriums; die Ansicht des durchschnittenen 
Halses ist aber überaus widrig. Das sind ein Paar Beispiele 
für derartige Züge. Man fragt sich, wie kann ein Künstler 
einen so scheusslich barbarischen Vorgang in dieser, bis zum 
Grauen wahren Weise malen? Muss er selbst nicht ein gutes 
Stück Härte besitzen? Man wird solche Darstellungen an sich 
ästhetisch nicht billigen wollen, doch muss man suchen, sie 
aus der Natur des Künstlers zu erklären, ohne dessen Cha- 
rakter, der so unzweideutig als ein edler und bedeutender sich 
zu erkennen giebt, anzutasten. Und da möchte ich auf Shake- 
speare hinweisen. Wer wagt es, daraus, dass Glocestefn auf 
offener Bühne die Augen ausgerissen werden, einen Schluss 
auf den Charakter des Dichters zu ziehen? Gerade ebenso ist 
das Verhältniss bei Rubens, der im Geiste, in der Kunstrich- 
K. L. Klose's 
hist. Taschen- 
1) Gachet. S. 239. 
z) Ueber Rubens religiösen Standpunkt vergl. 
Aufsatz über Rubens als Staatsmann in Raumel-"s 
buch v. 1856. S. 203 ff.
        

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