Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abhandlungen und Forschungen zur niederländischen Kunstgeschichte
Person:
Riegel, Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1205002
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1208601
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Paul 
Peter 
Rubens: 
Der Meister 
und seine Kunst. 
der Medici-Gallerie zu Paris der Fall war. Athmen diese 
Werke nun wohl noch im hohen Grade den eigenen Geist 
des Meisters, so finden sich doch auch von nun an nicht wenige, 
deren Ausführung, im Vergleich zu den Entwürfen, nur mittel- 
mässig und fremdartig erscheint. Man mag aus diesen That- 
sachen eine Anklage gegen Rubens erheben, doch wird derjenige, 
der die Verhältnisse und Umstände sachlich und gerecht be- 
urtheilt, derselben ein besonderes Gewicht nicht beilegen 
können. Im Gegentheil wird er nur um so nachdrücklicher 
die Forderung erheben, dass nur die eigenhändigen Entwürfe 
und Gemälde von Rubens zu dessen künstlerischer Schätzung 
und Würdigung herangezogen werden. Der Unterschied und 
Abstand ist nicht selten sehr gross. Wem könnte es z. B. 
entgehen, dass das Kolossalgemälde der „Kreuztragung" von 
1634 im Museum zu Brüssel (N0. 285.) starke Aeusserlichkeiten, 
besonders auch im Christus selbst enthält, im Vergleich zu 
der geistreichen und meisterhaft gemalten Skizze dieses Bildes 
im Museum zu Amsterdam (N0. 483)? Wer sähe nicht den 
Abstand von dem Entwürfe des njüngsten Gerichtes" in Dresden 
zu der grossen Ausführung in München! Wer auch würde 
nicht bemerken, dass bei der „Trauer um den Leichnam 
Christi" in Brüssel, (N0. 288) alle Kunst, alle Emphndung auf 
dem todten Körper vereinigt zu sein scheint, dass die übrigen 
Figuren aber hiergegen erheblich zurückstehen! 
Bei einem solchen Durcheinander eigener und fremder, 
und oft sehr verschiedenartig fremder Arbeit in zahlreichen 
Gemälden ist natürlich die kritische Behandlung der unter 
Rubens Namen gehenden Werke eine ungemein schwierige 
Aufgabe, die nur immer annäherungsweise wird gelöst werden 
können, weil der Angelpunkt des Urtheils hier nicht in 
festen und klaren Grundsätzen sondern in der Feinheit des 
Auges, also in einer persönlichen Eigenschaft liegt, über 
welche immer Meinungsverschiedenheiten herrschen werden. 
Diese umfängliche Zuhülfenahme fremder Kräfte ermög- 
lichte denn auch ein sehr schnelles Arbeiten, und ich 
zweifle nicht an der Ueberlieferung, dass die "Anbetung der 
Könige" vom Jahre 1624, die jetzt im Museum zu Antwerpen 
(N0. 298) sich befindet und die 4,47 g hoch und 2,35 n) breit
        

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