Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abhandlungen und Forschungen zur niederländischen Kunstgeschichte
Person:
Riegel, Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1205002
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1208566
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Peter Paul Rubens: Der Meister und seine Kunst. 
Wirkungen alle mit einer Ureigenheit und Freiheit aufnahm, 
wie wir sie nur bei sehr wenigen, ganz ausserordentlichen 
Geistern wahrnehmen. Sein Charakter ist von Natur so um- 
fassend und so sicher, dass er wohl entwickelt und gebildet 
werden konnte, aber doch immer derselbe blieb, der seine 
unverkennbaren Stempel auf jedes Gebilde von der Hand des 
Meisters drückte. 
Soll man es im Einzelnen bezeichnen, was Rubens in 
Italien gewann, so fällt vielleicht zuerst die geläuterte Formen- 
gebung besonders in den Köpfen auf, die das Studium der 
klassischen Vorbilder so klar erkennen lässt. Und daneben 
macht sich die durchaus fertige und eigenthümlich vollendete 
Behandlu ngsweise in allen technischen Stücken der Malerei 
geltend. Aber auch hier ist er nirgends Nachahmer. Seine 
Palette schon setzt Rubens auf sein e Art zusammen, und seine 
Malerei, in ihrem heiteren Glanze, in ihrem hellen Lichte, 
ihrer feinen Stimmung von Ton und Farbe, vor. allem aber 
zugleich in ihrer wunderbaren Lebenswahrheit auf jeder 
kleinsten Stelle wie im Ganzen, hatte vor ihm  und hat 
nach ihm  ihres Gleichen nicht. Ein kundiges Auge wird 
auch hier die Früchte des Studiums der grossen Koloristen 
Italien's erkennen, wenn auch der Auftrag seiner Farben ganz 
ungleich dünner ist als bei Tizian und die Anwendung seiner 
Lasuren unvergleichlich ausgebildeter erscheint als bei diesem; 
diese Behandlung findet sich, wie wir zur Vermeidung von 
Irrungen bemerken, nicht gleichmässig dauernd bei allen 
Bildern des Meisters, vielmehr zeigen die späteren in der Regel 
einen stärkeren und derberen Auftrag der Farben, ohne dass 
dadurch die wunderbare Leichtigkeit der Pinselführung, die 
ihm eigen war, beeinträchtigt worden wäre. 
Auch hinsichtlich der Komposition seiner Bilder, dem 
Aufbau und der Anordnung derselben, sehen wir ihn hier 
schon das Prinzip fest ergreifen, dem er stets treu bliebÄ Es 
ist das Prinzip, welches bereits im fünfzehnten Jahrhundert 
namentlich in Venedig sich ankündigte, dem hie und da schon 
ein Rafael huldigte, welches zum Theil schon bei Tizian, bei 
Michelangelo sehr wirksam ist, welches die Caracci, wenn auch 
in ihrer lehrhaften Art, besonders begünstigt hatten, und das
        

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