Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abhandlungen und Forschungen zur niederländischen Kunstgeschichte
Person:
Riegel, Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1205002
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1208553
Die Antike. 
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Jahre 1623: „Ich erinnere mich nicht, in meinem Leben irgend 
Etwas gesehen zu haben, was mir mehr Befriedigung gewährt 
hättef") Trotz dieser warmen Begeisterung aber bewahrte 
er als Künstler doch auch der Antike gegenüber seine volle 
Freiheit. 
Kaum ist je von einem Maler etwas Lehrreicheres für 
Maler geschrieben worden, als jener Aufsatz, in welchem 
Rubens auseinandersetzt, was der Maler aus dem Studium 
der Antike, insbesondre der Marmorwerke lernen könne, 
wie er dies Studium betreiben müsse, und wie Malereien doch 
ganz anders zu behandeln seien als Bildsäulen. Mit Meister- 
schaft verbreitet er sich über den Unterschied in Bewegung 
und Zeichnung, in Schattengebung und Ton, und er weist hin 
auf die Vorzüge der Malerei in Behandlung der Haut und des 
Fleisches. „Wer nun  sagt er schliesslich  diese Unter- 
schiede in gehöriger Schärfe erkannt hat, kann sich dem 
Studium der antiken Bildwerke nicht eifrig genug hingeben. 
Denn was vermögen wir Entartete in diesen Zeiten der Ver- 
kehrtheit? Wie gross ist der Abstand von dem kleinlichen 
Geiste, der uns Verkümmerte am Boden fesselt, zu jener er- 
habenen, dem Geiste als ursprüngliche Eigenschaft inne- 
wohnenden Einsicht bei den AltenP") 
So betrachtete Rubens die Antike und suchte den grossen 
und stillen Geist, der in ihr lebt, zu fassen. Aber er eignete 
sich ihn eben auch ganz auf seine eigene und selbständige 
Weise an. Und wenn wir das Studium der Antike in den 
Bildern des Meisters, besonders aus jener Zeit, unzweideutig 
erkennen, so müssen wir doch zugleich erstaunen, wie er 
diesen Geist in seine Natur und seine Kunst übertragen hatß) 
Das ist eben auch eine der grossartigsten Seiten an Rubens, 
dass er, empfänglich für alles Hohe und Schöne, zugänglich 
für fördernde und belehrende Einflüsse aller Art, diese Ein- 
1) An Peiresc. S. Gachet, Lettres inädites etc. S. 8. 
2) De Piles, Cours de 1a peinture etc. Paris 1708. S. x43. 
3) Als demnächst erscheinend wird ein Buch von Friedr. F rei- 
herrn Goeler von Ravensburg, Rubens und die Antike. (Jena, 1882) 
angekündigt.
        

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