Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abhandlungen und Forschungen zur niederländischen Kunstgeschichte
Person:
Riegel, Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1205002
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1208527
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Peter Paul Rubens: 
Der Meister und seine Kunst. 
Dasein verzeichneten. Auf diese Ziele hatten das Akademien- 
thum und der Naturalismus schon hingewiesen, als sie zuerst in 
Italien auftraten. Dass sie diese Ziele in Italien selbst nicht 
erreichten, ist bekannt. Wir brauchen die Gründe hiervon 
nicht zu untersuchen. Aber sie erreichten diese Ziele in den 
Niederlanden, in Rubens. Und so ist Rubens eine Gestalt, 
deren Erscheinen geschichtlich schon lange vorbereitet, deren 
Auftreten ein nothwendiges war. Auch ist nicht zu über- 
sehen, dass der grossartige Zug von lebensvollstem Realismus, 
der Rubens eigen ist und der ihn charakterisirt, in der nieder- 
ländischen Malerei seit den Eyck's schon vorgebildet war. 
Allerdings ist die treueste Wiedergabe des Lebens mit allen 
Zufälligkeiten und kleinen Besonderheiten der Wirklichkeit, 
der Natur mit allen Fältchen, Pickeln und Runzeln, bei den 
Eyck's und deren Schülern mit einem hohen Ernste und strenger 
Kirchlichkeit gepaart, aber sie bezeugt doch eben den Sinn 
für die Beachtung und Auffassung der gegebenen Wirklichkeit 
in Leben und Natur, der dann sich mannigfach umbildete, 
der wuchs und auch zurückgedrängt wurde, und der- endlich 
in Rubens zu einer vorher nie geahnten Höhe aufblühte. 
Diese Vollendung des Realismus in Rubens ging Hand in 
Hand mit der völligen Durchführung des malerischen 
Prinzip es in der vlämischen Schule. Auch hier liegen die 
Anfänge der Entwickelung bei den Eyck's, aber so bedeutend 
sie sind, so sehen wir sie doch an den überkommenen zeich- 
nerischen Vortrag gebunden. Erst in Rubens wurde diese 
Ueberlieferung völlig abgestreift und eine im eigentlichen Sinne 
malerische Behandlungsweise errungen. Diese aber, ihrem 
ganzen Wesen nach, steht in innerer Wechselbeziehung mit 
jener realistischen Gesammtrichtung. In diesen beiden Hin- 
sichten also darf man kunstgeschichtlich Rubens als einen 
echt national-vlämischen Künstler, als den Meister der vlä- 
mischen Malerei ansehen. 
Die Jugendjahre von Rubens waren einfach und, soweit 
wir sehen können, regelmässig dahin gefiossen. Wohl noch vor 
Ablauf seines ersten Lebensjahres verlegten seine Eltern ihren 
Wohnsitz von Siegen nach Köln, wo er die erste Erziehung 
erhielt. Im Anfange des Jahres 1589, nachdem der Vater in-
        

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