Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abhandlungen und Forschungen zur niederländischen Kunstgeschichte
Person:
Riegel, Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1205002
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1208511
Die Niederlande zu Rubens Zeit. 
Zustand der Malerei. 
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sam und dann weitere zwölf Jahre noch die Infantin allein 
über das ihnen zu Lehn gegebene Land. Die Gemüther be- 
ruhigten sich und versöhnten sich mit dem Geschick des Lan- 
des. Die Gewerbthätigkeit regte sich wieder und die innere 
stattliche Ordnung wurde neu befestigt. Der glanzvolle Hof 
in Brüssel zog die bedeutenderen Geister an sich und pflegte 
mit Vorliebe die Kunst und deren Träger. Die spanischen 
Niederlande boten damals das Bild einer wiedererstehenden 
kräftigen Nation. und nur in diesem Sinne richtig aufgefasst, 
wird man den neuen Aufschwung, den die Malerei nun nahm, 
als mit den Gesetzen der Geschichte übereinstimmend verstehen 
können. 
Wie sehr aber innerlich seit beinahe zweihundert Jahren 
ein solcher Aufschwung vorbereitet und angezeigt war, wie er 
auch im engeren, rein kunstgeschichtlichen Betrachte als etwas 
Nothwendiges in die Erscheinung trat, geht aus dem bis- 
herigen Gange der niederländischen Malerei deutlich 
hervor. Wir haben eine Darstellung des letzteren während des 
sechszehnten Jahrhunderts in diesen Blättern (S. 1-51) selbst 
versucht, und haben auch dort bereits hervorgehoben, dass in 
den beiden Lehrern von Rubens sich der Zustand der vlämischen 
Malerei am Schlusse des sechzehnten Jahrhunderts gleichsam 
verkörpert zeigt, dass aber Rubens die Richtungen beider 
Männer versöhnt und sich in einer neuen Richtung glanzvoll 
und mächtig über sie erhebt- 
Man darf die Frage aufwerfen, "ob es möglich gewesen 
wäre, dass Rubens einer der beiden Richtungen, die vor ihm 
die vlämische Kunst beherrschten, sich hätte unmittelbar an- 
schliessen können? Um ein Naturalist in der Art des Adam 
van Noort und dessen italienischer Vorgänger zu werden, 
war er zu fein und zu klassisch gebildet; um ein Akademiker 
im Rahmen der Caraccfschen Vorschriften nach Art des 
Otto van Veen zu werden, war sein Genius zu umfassend. 
Auf beiden Bahnen hätte er nur ein Nachfolger sein können. 
Seine eigene gross angelegte Natur drängte ihn auf andere 
Ziele, auf Ziele, die höher lagen als jene beiden Richtungen, 
die über jenen beiden Richtungen eine Versöhnung der beider- 
seitigen Prinzipien vollzogen und einer neuen Richtung das
        

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