Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abhandlungen und Forschungen zur niederländischen Kunstgeschichte
Person:
Riegel, Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1205002
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1205424
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gegangen war, erhalten werden sollen? Der neue Geist war 
da, er verlangte seine Verkörperung, sein Kleid: und Niemand 
füllt doch neuen Wein in alte Schläuche. Wenn man zugiebt, 
dass ein Beharren beim Alten nicht möglich, oder wenigstens 
dass doch eine solche Kunstübung, wie die Thatsacheit dar- 
thun, ganz und gar ohne Lebensfähigkeit gewesen wäre: was 
hätte denn geschehen sollen": Wie denkt man sich die Mög- 
lichkeit einer anderen geschichtlichen Vermittelung zwischen 
Quentin Massys und Rubens, zwischen Lukas von Leyden 
und Rembrandt van Ryn? Sie ist undenkbar. Die einzige 
Möglichkeit lagidarin, dass auch die niederländische Malerei 
den nämlichen Weg einschlug, auf dem vor ihr die italienische 
dahin gelangt war, den mittelalterlichen Styl abzustreifen und 
zu freiester Entfaltung zu erblühen. Diesen Weg schlug sie 
ein, als einen nothweitdigen, mit vollem Bewusstsein und in 
klarer Absicht. 
Wenn man den Denkmälern nicht glauben oder deren 
Sprache nicht verstehen will, so wird rlTlElD doch die klaren 
literarischen Zeugnisse gelten lassen müssen, wie sie ein Karel 
van Mander hinterlassen hat. Man lese doch sein Lfehrge- 
dicht über den „Grund der edlen, freien Malerkunst!" Die 
Beispiele, auf die er sich fortwährend bezieht, sind fast ohne 
Ausnahme der antiken und italienischen Kunstgeschichte ent- 
nommen, seine ganze Darstellung strotzt von der klassischen 
Gelehrsamkeit seiner Zeit. Und wie er itamentlich über den 
Punkt dachte, der hier in Rede steht, so spricht er sich darüber 
sehr oft aus, unter anderm mit "besonderer Klarheit in dem 
„Leben des Lambert Lombardus," von dem er sagt: „Er ist 
nicht umsonst und vergeblich in Rom gewesen, denn er ist 
ein Vater unserer Zeichen- und Malkunst geworden, indem 
er die rohe und ungeschlacht barbarische Weise hinwegge- 
nommen und an deren Stelle die schöne antikische aufgerichtet 
hatÜ") Im „Leben von Jan Schoreel" bemerkt Mander: dass 
„die Italiener durch die ans Licht gekommenen antiken Mar- 
mor" und Erzwerke zur rechten Art der Kunstübung gelangt 
seien, während die Niederländer, trotz aller Stätigkeit und alles 
Schilden 
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Blatt 
14T
        

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