Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abhandlungen und Forschungen zur niederländischen Kunstgeschichte
Person:
Riegel, Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1205002
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1205416
Richtigere 
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15 
standenen Formen, Gewaltsamkeit und Geschmacklosigkeit der 
Stellungen verfielen," wenn er als das Charakteristische in den 
Werken dieser Künstler die „Verzerrung des germanischen 
Kunstnaturells" bezeichnetß) Fälle, auf welche diese Urtheile 
passen, liegen vor, aber die besten dieser Werke stehen hoch 
erhaben über denselben. Das Streben der Schule beruhte 
darauf, sich von dem hohl gewordenen Styl des Mittelalters zu 
befreien, und ging dahin dieses Ziel durch Aneignung des 
italienischen Styles zu erreichen. Die „Verzerrung" lag bereits 
in dem äusserlich und manierirt gewordenen Styl der Eyck' 
schen Schule vor, und wir hoben schon hervor, dass diese 
Verzerrung eintreten musste, da der innere Sinn der Künstler 
sich mit dem Strome des allgemeinen Geistes der Zeit dem 
Wesen und Geist jenes Styles entfremdet hatte. 
Der allgemeine Zug der Geister und die allgemeine Rich- 
tung der Kunst drängten nach Klassizität. Der Geist und die 
Formenvvelt der in Italien zu neuem Leben wiedererstandenen 
Antike drangen eben mit unüberwindlicher Kraft in alle ge- 
bildeten Länder ein. Auch die Niederlande waren reif für die 
Renaissance. Die humanistische Bildung und die klassische 
Gelehrsamkeit hatten sie vom Mittelalter abgekehrt. Jene 
niederländischen Meister handelten daher nach einem inneren 
Triebe und nach dem Gesetze geschichtlicher Nothwendigkeit, 
wenn sie sich die Italiener und hiermit inbegriffen die Antike, 
soweit dieselbe damals bekannt und verstanden war, zum Vor- 
bilde nahmen. Man findet dies Bestreben auch in Bezug auf 
die Baukunst und vielleicht selbst in Bezug auf die Bildhauerei 
natürlich und richtig, aber man glaubt, es in Bezug auf die 
Malerei verurtheilen zu dürfen. Wie denkt man sich denn 
eigentlich, dass sich die Malerei hätte entwickeln sollen und 
können? Sollte der mittelalterliche Manierismus fortblühen 
und den gänzlichen Verfall herbeiführen? Dass die Baukunst 
Geist und Formen des wiedererstandenen Alterthums auf- und 
annahm, ist doch durch den ganzen Geisteszustand des sechs- 
zehnten Jahrhunderts erklärt und bedingt: und hatte die Malerei 
in Geist und Formen des Mittelalters, das doch zu Ende 
 
Handbuch 
deutsch. 
niederl. Malerschulen. 
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