Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abhandlungen und Forschungen zur niederländischen Kunstgeschichte
Person:
Riegel, Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1205002
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1207897
Kunst- 
und Lebensführung. 
263 
einen so grossen Uebertluss an Gedanken, solchen Reichthum 33. 
an Erfindung, solche Gelehrsamkeit und Klarheit in seinen 
allegorischen Bildern zeigte, und dass er seine Gegenstände so 
gut entfaltete, indem er nur Dinge zuliess, die ihnen eigen- 
thümlich und förderlich waren; daher kommt es, dass er, da 
er eine vollkommene Kenntniss des Gegenstandes, den er dar- 
stellen wollte, besass, tiefer in denselben eindrang und ihn 
besser empfand; aber stets in Uebereinstimmung mit der 
Natur. 
Er besuchte selten seine Freunde; aber er empfing so gern 
Diejenigen, welche ihn besuchten, dass ausser allen Kunst- 
freunden und Gelehrten, kein Fremder, welchen Standes 
er auch war, durch Antwerpen reiste, ohne ihn aufzusuchen, 
ebenso seiner Person wegen, wie um seine Sammlung, die eine 
der schönsten in Europa war, zu sehen. Unter anderen er- 
wiesen ihm der Prinz Sigismund von Polen und die Infantin 34. 
lsabella diese Ehre, als sie von der Belagerung von Breda 
zurückkehrten. 
Wenn er wenig Besuche machte, so hatte er dazu seine 
Gründe; aber er hatte deren niemals, um sich von der Be- 
sichtigung der Arbeiten der Maler, die ihn darum gebeten 
hatten, frei zu machen; er sagte denselben seine Meinung mit 
der Güte eines Vaters, und bisweilen gab er sich die Mühe, 
ihre Bilder noch einmal zu übergehen. 
Er tadelte niemals irgend ein Werk und fand Schönes in 
jeder Art und Weise. Obwohl er in Italien und anderswo 
viel gezeichnet und kopirt hatte, und obwohl er eine grosse 
Zahl schöner Kupferstiche und antiker Schaumünzen besass, 
so unterhielt er doch junge Leute in Rom und in der Lom- 
bardei. die ihm dort das Schönste zeichneten, dessen er sich 
dann bei Gelegenheit bediente, um seine Einbildungskraft zu 35. 
reizen und seinen Geist anzuregen. 
Da er beabsichtigte, für seine letzten Lebensjahre eine 
noch grössere Ruhe zu suchen, als wie er sie schon genoss, 
so kaufte er die Herrschaft Steen, zwischen Brüssel und 
Mecheln gelegen: dorthin zog er sich bisweilen still zurück, 
und dort malte er gern Landschaften nach der Natur, da das
        

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